Europens Sittenzustand.59Fleisch muß herbeygebracht werden. — Um allesdas zu bestreiten, nimmt der Wucher zu. Derinfamste Egoismus zermalmt unsre Volksglückseligkeit. Der Eigennutz, eine falſche Staatskunſt, zer-trümmert die wenigen Ueberreste von Staatenglück!Obgleich die Fürsten und Grossen ungeheure Ein-künfte ziehen, so wenden sie doch alles nur aufSoldaten und Luxus. Grosse Imposten zu machen,Fabriken und Monopole in Zwang zu nehmen, denBürgerstand un tergraben, sind an der Tagesord-nung. Daher ist der gemeine Mann nahe amHungertod.Um des Elends noch mehr zu spotten, etablirtman Lotterien, und dieß ist die letzte Blutsaugereyam Schweistuch der Armen! — Accis, Zölle, Ein-fuhr=Verbote, sind in diesen humanen Zei-ten à leur hauteur.Aber die Schmeichler der Grossen, die Logomachienmacher nehmen alles das in Schutz. — KayserJoseph bot hundert Dukaten auf die beste Beant-wortung der Frage: wie dem Wucher zu steuern?Da waren aber Schurken genug, die den Wuchervertheidigten; auch die Werke Beelzebubs sindnicht ohne Ruhm geblieben! Schon lange hört mandie Hungerstimme der Armen — in unserm reichenEuropa rufen: O Allvater gieb bessere Zeiten-damit ich nicht in Versuchung falle zu stehlen! Seit
Druckschrift
Das Wetterleuchten über Europa am Ende des Jahrhunderts gesehen im Jahre 1788 :
(aus den Papieren eines verstorbenen Geistersehers)
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