291⁴⁴1) Vergebens suchst du Heiterkeit, wenn nichtZufriedenheit mit dir selbst in deiner Brust wohnt.Und zufrieden mit dir selbst kannst du nur dann wer-den, wenn du ein edles Leben führst. Denneine mächtige Stimme tönt in unserm Herzen, dieuns erschrecken und erfreuen, quälen und erheiternkann. Schrecklich tönt sie für den, der auf der Bahnder Sünde wandelt; erfreulich aber für den, deram Guten seine Lust hat. Wer vor ihr Ruhe ha-ben will, kann sie nur auf Einem Wege finden, aufdem Wege der Tugend. Gottes Werk lasset uns wir-ken; lasset uns rein halten unsern Geist von unedlenGedanken und Empfindungen; lasset uns thun, wasuns obliegt; lasset uns in unserm Berufe Treue undFleiß, gegen die Unfrigen Liebe, gegen JedermannMenschenfreundlichkeit beweisen; so daß wir nie Ur-ſache haben, uns ſelbſt Vorwuͤrfe zu machen. Dannund nur dann werden wir ruhig und heiter werdenkönnen, weil vor den Vorwürfen, welche die Stim-me des Gewissens gegen uns ausspricht, alle Zufrie-denheit mit uns selbst und folglich auch alle Hei-terkeit entweicht. Wer ein unedles Leben führt, fürden werden früh oder spät alle schlechtverbrachte Stun-den Plagegeister, die ihm einstens, wo er auch seynmag, die Ruhe und den Frieden des Herzens rau-ben. Der Wanderer, der des Abends in der Her-berge ankömmt, wird gewiß keine Ruhe finden, wennT 2
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