267Dies ist der zweyte Theil von der am vorigenSonntage angestellten Betrachtung. — Wir dürfenes in der That nicht läugnen, meine Freunde,1) daß es viele Menſchen ganz verkehrt anfangen, um heiter zu werden.Wer die Betrachtung vom vorigen Sonntageweiter überdacht hat, der wird sich noch erinnern,daß ein heitrer Mensch keine verzehrende Leidenschaf-ten; sondern nur eine sanfte friedliche Bewegungdes Herzens in sich fühlen dürfe. Wie viele aberüberlassen sich ihren Begierden, befrie-digen sie so oft und so lange, bis sie zu Leiden-schaften werden. Es reitzen sie die äussern Um-ſtände, ihre Lage, ihre Verbindungen; ihr Tem-perament treibt sie an, leitet sie; und sie lassen sichreitzen, antreiben und leiten. Sie wachen nichſtemmen ſich nicht gegen die Verſuchung, bauen kei-nen Damm gegen den Strom der Leidenſchaft. Undeben darum wird es in ihrer Seele wie ein unge-ſtümmes Gewaͤſſer, welches (Jeſ. LVII, 20) nichtſtille ſeyn kann und deſſen Wellen Koth und Unflathauswerfen. Sie haben keinen Frieden. Die Stür-me der Leidenschaften beunruhigen ihre Seele. Hierstürmt der Eifer, der Zorn; dort stürmt Aergerund Verdruß; hier hangen drückend ſchwer die Wol-ken des Grams und der Traurigkeit; dort regiertdas böse Wetter übler Laune. Und diese Wolken,
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