1594an die Colosser vom zwölften bis zum vierzehntenVerse: „so ziehet nun an als die....... Bandder Vollkommenheit.“ Wenn wir uns, wie wiram vorigen Sonntage gethan haben, dieses liebrei-che Wesen nach seinen verschiedenen schönen Aeusse-rungen vorstellen und dabey die Vortreflichkeit unddas Beglückende desselben in Erwägung ziehen, sokann es uns fürwahr nicht anders als sehr unange-nehm seyn zu bemerken, daß es in unsern Häusernnoch so sehr häufig an demselben mangelt, ja daßnoch so sehr häufig das Gegentheil davon herrschendist. Denn, daß dem also sey, wer wird daranwohl zweifeln? wer ist davon nicht durch täglicheErfahrungen überzeugt? Ach wie oft ist noch diefreundliche Langmuth, die sich nicht erbittern läßt,ferne von uns; wie leicht überlassen wir uns denleidenſchaftlichen Aufwallungen eines reitzbaren Her-zens. Wie wenig nehmen wir uns oft in Acht,unsern Hausgenossen durch Worte und Betragen we-he zu thun. Wie manchmal handeln wir unbeſon-nen, ohne Schonung, ohne an die, die um unsſind, zu gehen. Gehen doch Manche ohne alle Theil-nahme einander vorüber, ohne sich um einander zubekümmern. Bieten sich Viele sogar einander Trotzſtellen ſich ungeberdig und blähen ſich auf, denkenund sorgen und freuen sich nur für sich und gehengar nicht darauf aus, dem Andern auf irgend eine
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