15894ſentes, daß im menſchlichen Leben ein Jeder auchsich selbst zu verläugnen und sein Kreutz auf sich zunehmen habe. Und gern thun sie dies. Sie trageneiner des Andern Last; sie machen sich ein freudigesGeschäft daraus, einer dem andern einen Theil derArbeit und Sorge abzunehmen; sie ziehen sich vorMühe und Plage nicht zurück, sondern suchen sieauf und übernehmen sie freywillig, um dadurch demAndern das Leben zu erleichtern. Dem liebreichenMenſchen edlerer Art iſt es ſogar eine innige Freude,wenn er, um einen von den Seinigen zu beglücken,wäre es auch um der Thorheit oder Bosheit des An-dern willen, Schmerz und Trübsal erdulden muß.Er duldet Alles, Alles, aus Liebe. Er duldet Alles,Alles, wenn er für den dulden kann, den er liebt.Nur keine Sünde duldet er in seinem Herzen undWandel.Denn die Liebe freuet sich nicht derUngerechtigkeit, sondern sie freut sichder Rechtschaffenheit. Liebreiche Menschen er-lauben sich, auch aus Liebe für den liebsten Men-schen, keine Tücke, keine Falschheit, keine Lüge,keinen Betrug. Rein und klar halten sie ihr Herz,wie ihre Liebe. Darum ist ja die Liebe das Höchstevon Allem, weil sie des Gesetzes Erfüllung ist. Da-hin soll ja die Liebe den Menschen führen, daß erin dem Innersten seiner Seele veredelt und daß das
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