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Einige Predigten über das Buch Ruth
Entstehung
Seite
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8994gen; aber saget, ist es nicht eben so wahr, daßwir ihre Kraft sehr häufig nicht verspüren? Imhäuslichen Leben, grade hier, wo sie uns vorzüg-lich leiten und beleben sollte, weil wir da ihresSchutzes und Trostes am häufigsten bedürfen, ist esnicht, als wenn uns ihre Kraft und Wirksamkeitgrade hier am ersten verläßt? Gehen nicht manchemMenſchen ganze Jahre voll Freund und Leid, vollArbeit und Sorge, voll Segen und Widerwärtig-keit vorüber, ohne daß ein religiöser Gedanke inihm lebendig und kräftig wird? Sucht nicht derMensch in Trübsalen und Verlegenheiten oft in hun-dert andern Gedanken weit eher Trost und Muth,als in dem Gedanken an Vorsehung und Unsterblich-keit? Wie Viele mögen in den Stand des häusli-chen Lebens treten, seine Freuden genießen, sieLasten tragen, seine Trübsale dulden, Kinder erzie-hen, Kinder verliehren, dem Gatten oder der Gat-tinn zum Grabe folgen, selbst dahinfahren, ohnedaß sie je von dem ihnen in der Jugend angepriese-nen Glauben lebhaft bewegt, ermuntert, getröstetund erheitert worden? Die Erfahrung spricht lautfür meine Behauptung, daß die Religion, die inHerz und Leben übergehen sollte, sehr häufig imMunde und im Kopfe bleibt: aber woher dieſe tran-rige Erſcheinung? Woher anders, als daher, daßman auch in Ansehung der religiösen Ueberzeugungen