5645und seine Freude suchen muß? Selbstverläugnungund Aufopferung, wo wird man häufiger Gelegen-heit haben, diese Tugend zu üben, als hier, woEltern ihren Kindern zu Liebe, Dienstboten ihrenHerrschaften zu Liebe, und umgekehrt manches gegenihre Neigung thun oder lassen müssen, wo bald einkranker Gatte, bald ein krankes Kind, bald ein kran-ker Dienstbote, bald ein kranker Verwandter, baldein kranker Freund alle Sorgfalt, alle Mühe, alleHülfe, alle Anstrengung, bey Tag und bey Nachterfordert? Hat hier in diesem Kreise nicht ein Je-der seine besondern Pflichten und Tugenden zu üben?Lernen nicht in dieſer Schule des häuslichen LebensVorgesetzte mit Weisheit und Liebe regieren? Unter-gebene treu und redlich gehorchen? Vater und Mut-ter, ihre Kinder mit liebreichem Ernste erziehen?Gatten, sich unter einander treu und wohlwollendbehandeln? Kinder, bescheiden und hülfreich seyn?Hausgenossen, sich unter einander vertragen? Freun-de, mit Weisheit rathen, mit Liebe warnen, mitTheilnahme trösten, mit Biederkeit tadeln? Kurzwelche große oder kleine Tugend giebt es, die mannicht in der Schule des häuslichen Lebens zu erler-nen und zu üben Gelegenheit und Aufforderunghätte! — Und dann, meine Freunde, wo mag einegeübte Tugend in der Regel wohl in größerer Wür-de, reiner, stärker, und ausdauernder erscheinen,
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