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Einige Predigten über das Buch Ruth
Entstehung
Seite
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5550I. Es ist hier also von dem Einen, welchesnoth ist, von dem Einen Großen und Höchsten dieRede, worauf die Wünsche und das Streben desMenschen stets und überall gerichtet seyn sollten,von der Tugend. Auch das häusliche Leben, heißtes hier, sey eine Schule, worin man lernen können,gut und weise werden; ein Uebungsplatz, woraufman sich stärken könne zur Besiegung seiner sinnli-chen Lüste und Begierden und zur Beherrschung sei-ne selbst; ein Heiligthum, worin man sich erhebenkönne zu einem höhern göttlichern Sinne, der darein ist von der Unlauterkeit der Thorheit und Sün-de. Die erste Bedingung einer solchen Tugend istnatürlich die, daß der Mensch seine Kräfte anstrengeund thätig sey, daß er bey seiner Thätigkeit allenLeichtsinn und alle Flüchtigkeit vermeide und daß erbey allem, was er thut und läßt, stets ein festesZiel im Auge behalte. Eine Thätigkeit dieser Artist und bleibt auch für die Erhaltung und Beschir-mung der Tugend die stärkste Schutzwehr. Und werkann es nun hier wohl in Abrede seyn, daß auchganz vorzüglich das häusliche Leben zu ei-ner solchen ernsten und bestimmten Thä-tigkeit uns auffodert? Nirgends findet sieſich ſo häufig, als grade bey denen, die in häusli-chen Verhältnissen leben; da hingegen Unthätigkeit,Flüchtigkeit und unbestimmter Sinn am häufigsten