Druckschrift 
3 (1863) GK - IML
Entstehung
Seite
434
Einzelbild herunterladen
 

434 HK. Nr. 1152.

um eine Art Kartenspiel mit solchen zottenden Mendeln, und leitetedann die Vermuthung auf die österreichischen Heiligen, weil auf derRückseite eines Briefes des Dichters Sebastian Brant über die historisch-legendarische Grundlage des Cyklus jener Heiligen der Betreff: Mendlaufgeschrieben ist, und wohl von Peutinger's Hand, obgleich der Briefam 17. Dccember 1517 an Villinger gerichtet war. Gegen diese Ver-muthung trat H. v. Sotzmann im deutschen Kunstblatt 1852 No. 28auf, indem er unter den zottenden Mendeln jene wilden Männer oderWaldmenschen versteht, welche in den Bildern des Mittelalters haarig(zottig) oder nackt bis auf einen Blätterschurz, bald einzeln oder paar-weise in Wappen und Signeten, bald mit Centauren, Wald- oder See-weibern und anderen Fabelgestalten vermischt, in Randleisten undGrottesken so häufig vorkommen. Ks sind diess nach Sotzmann dieFaunen und Satyrn der Alten, aber in christlich-mittelalterlicher Um-formung. Sotzmann geht auf diese rohen Naturmenschen noch weiterein, und bemerkt, dass die Mueler der zottenden Mendel nichts anderesals die Weiber derselben seyn werden. Diese Ansicht ist allerdingssehr plausibel, nur reimt sich damit die Stelle von Kunig Karleinbis auf den Pawrn nicht recht. Der Bauer ist zwar manchmal einroher Naturmensch, doch eben kein Faun oder Satyr, und am aller-wenigsten wird man den König Carl in diese Categorio setzen wollen.Und dann ist ganz unbekannt, dass der Kaiser ein Work dieses phan-tastischen Inhalts projektirt habe. Wir kennen das historisch-romantischeStreben Maximilian's ganz genau, und sind der Meinung, dass er sich1517 nicht um phantastische Bildungen bekümmert habe. Dr. Peutingersagt deutlich, dass bezüglich der Mueler der zottenden Mendel an vielenOrten Recherchen gepflogen werden müssten, und die Arbeit zog sichdaher sicher bis zum Tode des Kaisers hin. Heilige Einsiedler, oderandere strenge Büsser sind auch oft sehr haarig oder zottig vorgestellt,und so könnte traditionell der Name „zollende Mendel" auch auf dieNamen der Heiligen aus der Vorzeit des Kaisers übergegangen seyn.Die Einwendung des kunst- und geschichtskundigen H. v. Sotzmann,dass die österreichischen Heiligen von II. Burgkmair gezeichnet seien,ist nicht hinreichend zum Ausschlüsse des H. Knodercr. Kein einzigerHolzschnitt ist //. B. bezeichnet, während Burgkmair sonst nicht er-mangelte, seine Autorschaft geltend zu machen. Das Werk mit denösterreichischen Heiligen fällt in die Zeit von 1515 — 1518. Diese Jahr-zahlen stehen nebst den Namen der Formschneider auf der Rückseiteder Holzplatten, welche in Wien vorhanden sind. Im Jahre 1517 be-schäftigte sich Dr. Peutinger mit der Fortsetzung des Werkes derzottenden Mendel und ihrer Frauen (Mucter). Dr. Brant macht 1517seinen Bericht über die Legende (Hcrberger Nota 104), und kenntnoch nicht alle Namen der Heiligen, worüber er von dem Kaiser selbstAufschluss erwartet. Die Urkunden über die zottenden Mendel fallengerade mit jenen über die österreichischen Heiligen zusammen, undwir glauben daher, dass es sich im Allgemeinen um letztere handle,da sich von angeblichen phantastischen Bildungen keine Spur erhaltenhat. Der Kaiser beschäftigte sich 1517 mit der Heiligenlegcnde seinesHauses, mit welcher sich Faunen und Satyrn, wenn auch in christlich-mittelalterlicher Umformung, nicht vertragen. Die Legende war seinletztes Werk, der Text kam aber nicht in den Druck. Aus dem Briefedes Dr. S. Brant geht indessen hervor, dass derselbe einen solchenhergestellt hatte, aber vielleicht ohne zum Ende zu gelangen. Aufder kaiserl. Bibliothek in Wien liegen 122 Platten mit Heiligenbildern,doch sind in der Ausgabe von 179!) nur 119 Abbildungen, indem dreiPlatten den Druck nicht mehr aushielten.