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Anhang.
wahrlich auf die ganze Schweiz. Herr Scckelmeistcr Frisching bcsammelte schon gleich nach drei Uhr die neue Negierung.Auf der Stelle nahm man den einmüthigen Entschluß, dieser harten, so ungemein gefahrvollen Zumuthung sich nicht zuunterziehen, sondern das Aeußerste zu wagen. Ungefähr um 4 Uhr erhielten wir die Anzeige, daß von Multen aus dieFranzosen angegriffen und die Feindseligkeiten angefangen haben. Das Schicksal Berns und das unscrige wird nun vondem Succeß der auch von dieser Seite angehebten Feindseligkeiten abhängen. Während der ganzen Nacht hat man hier denDonner der Kanonen von der untern Gegend her, vermuthlich bei Burgdorf, Herzogenbuchsee, Wangen, Fraubrunncn und derEnden deutlich vernehmen können. Zn dieser, nun vielleicht in wenigen Stunden entscheidenden Lage befinden wir uns hierund Euer Gnaden können sich die Wirkung derselben in hiesiger Stadt und bei deren Einwohnern denken. Wird sich dieRegierung für das Nachgeben verstehen, so sind zuverlässig alle Offiziere bei den Truppen das erste schaucrvolle Opfer desNachgebens, und geschieht es nicht, gelingt es aber den Franzosen die bernerischen und eidgenössischen Truppen zu schlagen, sokann man sich der Stadt Bern und unser aller Schicksal vorstellen. Der Wuth der französischen Truppen, ihrem heißen Ver-langen sich der Stadt Bern zu bemächtigen wird, wann sie ihre Absichten erreicht haben, nichts heilig sein und unabsehbaresElend und die schauervollsten Auftritte stehen zu erwarten. Ein ansehnlicher Theil der Einwohner Berns ist mit einem heroischenMuth auf Alles gefaßt und stellt sich auch das schreckenvollstc Begegniß als ihr bevorstehendes Schicksal vor Augen. DieVorsehung allein kann durch glücklich lenkende Umstände unser Schicksal in etwas lindern. Dieser vertraue ich mit Ruhe undder vollkommensten Ergebung in ihren Willen, bewußt, daß ich an meinem schwachen Orte Alles gethan, was nach meinerStellung und dem gnädigen Zutrauen meiner theuersten Väter von mir gefordert und erwartet werden konnte. Schon langesah ich für mein theures Vaterland kein besseres glücklicheres Schicksal vor und unsere Lage, unser Benehmen schmerzte, kränktemich tief. Mit jedem Augenblick kommen Wagen mit Verwundeten an, ich darf nicht hoffen, diesen Brief zu enden und nochweniger, daß derselbe Euer Gnaden könne bchändigt werden. — Der Brief, von dem Kriegsrath Hans Conrad Escher beendigt,enthält noch die Nachricht, daß die Truppen von Muth und guten Gesinnungen belebt seien, auch daß der alte Herr Schultheißvon Mülinen, nun als Bürger, bei dem Rathhause Wache stehe. ><5 ». 2)
Zu Abschied 253. (Seite 234—206.)
Rastatt, 2. Januar 1738. Mit innigster Bestürzung muß ich sowohl als Freund und Mitmagistrat meines Vaterlandesals in meiner Qualität eines Abgeordneten desselben durch alle mir aus Bern zukommende Particularnachrichten vernehmen,daß man sich alldort durch die schwankenden, doppelsinnigen Versicherungen des französischen Residenten einschläfern läßt, indie gefährlichste Sorglosigkeit zu versinken scheint und bereits an Verminderung oder Zurückziehung unserer militairischcnAnstalten denkt. Wäre es denn noch möglich an dem sowohl durch die Natur der Sache so wahrscheinlichen als durch soviele Thatsachen bestätigten Project zu zweifeln, daß man uns revolutioniren will, einzig in der Absicht, um uns nachWillkühr brandschatzen und beherrschen zu können. Will man sich nicht mehr erinnern, daß schon die mannigfaltigen Ehicanenund Reclamationcn, die man uns im Frühling und Sommer des Jahres 1736 machte, einzig auf eine Geldextorsion zielten,welche nur durch die damalige Sendung des Herrn Ochs nach Paris und durch den Einfall in Schwaben und die alldorterhobenen unermeßlichen Contributioncn neutralisirt und aufgeschoben worden ist. Man frage alle diejenigen Personen, dieletzten Sommer auf der Repräsentantschaft zu Lauis und Mailand gewesen, ob ihnen nicht dieses Project als bevorstehendvon verschiedenen Orten angedeutet und selbst von sehr influirenden Franzosen, die ein solches System im Grund ihresHerzens nicht billigen können, der Rath gegeben worden, dergleichen directe oder indirecte Forderungen nur keck auszuschlagen,überzeugt, daß nichts Weiteres daraus entstehen werde. Hat man denn schon wieder vergessen, daß unfern Deputirten inParis durch Minister, Deputirte und andere Personen diese Geldabsicht unter allen Farben geäußert worden, und daß insbe-sondere ein sehr bekannter französischer Deputirter und Vertrauter eines mächtigen Mitgliedes des Directoriums, einem unsererbesten Freunde in Paris gesagt hat, er befürchte, daß die bernerischen Gesandten in Paris eine traurige Negotiation machenwerden, und es möge die Absicht obwalten, eine sehr beträchtliche Contribution von der Schweiz zu erheben. Man vergleiche damitden sebst bei den aufgeklärtesten Franzosen eingewurzelten Wahn, daß die Schweiz durch die Revolution sich außerordentlichbereichert und alles baare Geld an sich gezogen habe. Glaubt man die häufigen Artikel in den französischen Zvurnaux,die bald von einer Rückforderung von fünfzig Millionen an die Schweiz, bald von einer solchen von vierundzwanzig Millionenan den Canton Bern sprechen, keiner Aufmerksamkeit würdigen zu sollen, die doch immerhin mehr oder weniger einen Grundhaben und eine Spoliationsabsicht beweisen. Soll ich dem noch beifügen, daß der französische General Dommartin undmehrere andere sich gegen den bündnerischen Gesandten während seines Aufenthaltes in Straßburg ohne RückHaltung geäußerthaben, daß man die Jndependenz der Schweiz zwar nicht antasten, aber ihre Regierungen ändern wolle, und würde mandenn auch ohne dieses Beifügen die Sprache der jetzigen Negierung in Frankreich so wenig kennen, um nicht zu wissen,daß sie unter dem Worte Jndependenz weder die Beibehaltung der Verfassung eines Volkes noch die Respecttrung seinesEigenthums versteht. Selbst ein sehr bedeutender Sccretair der hiesigen französischen Gesandtschaft hat aller Gegengründeungeachtet auf eine solche Art von dem Neichthum der Schweiz geredet, welche die Absicht, denselben in Contribution z»