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Volkskundliches aus Strafprozessen der österreichischen Alpenländer : mit besonderer Berücksichtigung der Zauberei- und Hexenprozesse 1455 bis 1850
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56 KALMANISEGEN, FRAISENBRIEF

Aus dem Verhör des Andreas Steiner vom 5. Februar Ijg5:

(Antwort auf die Frage 12, wieso es komme, daß die Kugel trotz des aus einerEntfernung von 30 bis 40 Schritten abgefeuerten Schusses nicht eingedrungen sei:)

Ich habe mir aus dem Kalmaniseegen 1 ), welchen der alte Ertleitner hat,einige gebetter gemerket. Diese habe ich gebettet und ich glaube, daß ich durchkraft dieses gebettes bin glücklich erhalten worden.

13. Weil du diese gebetter auswendig gemerket, so sage sie jezund her, wieheißen sie?

13. Kristi kreuz, steh bey mir, Christi kreuz bette ich an allezeit, Kriste kreuzüberwinde mir alle feuer und wasser, Kriste kreuz überwinde mir alle waffen undfeind, Kriste kreuz ist mir ein vollkomenes zeichen meiner armen seel, Kristekreuz ist mir mein seel und leib das leben aller tag, und so bitte ich in namen gottdes vaters, gott des sohns und gott des heiligen geistes Kriste kreuz eröfne mirauf alle glückseeligkeit, Kriste kreuz vertreibe mir alles übel, Kriste kreuz stehbey mir, kreuz hinter mir, kreuz vor mir, kreuz allenthalben um mich, vor allmeinen feinden, sichtig oder unsichtig, die fliechen vor mir, so sie mich wissenoder hören, das hilft mir durch gott dem vater, gott dem söhn, und gott demheiligen geist 2 ).

14. Aus dieser deiner aussage erhellet nun ganz klar, daß du hiesiges gerichtbelügen und deine Zuflucht zu dem aberglauben nehmen willst, denn obschondiese gebetter in sich selbst, wenn man sie ohne aberglauben mit wahrer andachtbettet, ganz gut sind, so ist doch der damit verbundene aberglauben höchstsündhaft, und von der kirche sowohl als dem gesezen schon längst aus-gemacht, daß diese gebetter in derley fällen von gar keinen nutzen, unddich niemal fest oder gefroren machen könnten; ich ermahne dich also, daßdu die reine Wahrheit bekennen und nicht durch boßhaftes leugnen deine strafevergrößeren sollest.

14. Was würde dann helfen, wenn das betten nicht helfen sollte. Es ist diereine Wahrheit, ich kann es nicht änderst sagen."

73. HEILZAUBER.

St. L. A. Hdschr. Nr. 1484. Umi8$o. Fraisenbrief aus der Gegend von Trieben.

Frais-Brief. So ein kind oder alter mensch die frais hat.

Im namen gott des vaters und des sohnes und heil, geistes amen. Das wollegott der herr Jesus Christ heut an diesen tag, auf daß ich alle siebenundsiebenzigfrais tödten möge. Ich tödte es durch gottes große macht, ich tödte es durch denheiligen namen Jesu Christe alle siebenzig frais, reißende frais, rothe frais, ab-dorrende frais, zitternde frais, kalte frais, schreiende frais, fallende frais, abbren-nende frais, spreitzende frais, stille frais, wüthende frais, geschwollene frais, ge-stossene frais; ich wende dirs N. durch gott den herrn Jesu Christi und durchseine heiligen fünf wunden, ich wende dirs N. durch heiliges sacrament, ich wendedirs N. durch sein heiliges evangelium, ich wende dirs N. durch den herrn JesuChristi seine heiligen fünf wunden, ich wende dirs N. durch seine heiligen portendes himmels aus der gnade gottes geschöpfe, durch den lieben namen Jesu Christi,

*) Kolomanssegen.

*) Dieser in Süddeutschland weitverbreitete Segen ist in den Zauberschriften wiederholtabgedruckt (Wuttke, S. 191, 319). Der Glaube, daß der Colomani- (Kalmani-, auch Kulmoni-)Segen vor Verwundung schützt, ist u. a. in der Oberpfalz verbreitet (Brenner-Schäfer).