In einem im ersten Kriegsjahre erschienenen Buche über Polizian fin-det Anna Fumagalli, der mit Gedanken und Worten überlegen spielendePolizian erinnere sie an Anatole Frances Abbe Coignard. Diesen würdi-gen Diener der Kirche nun hat der Verfasser der Rötisserie de la reinePddauque mit Füttern behängt, die er dem um dreihundert Jahre alternSieur Gaulard des Seigneurs des Accords abgestreift hat. Der Seigneur desAccords wieder hat für seinen Helden eine von den spätem Domenichi-Ausgaben geplündert, und so ist auch das Bonmot von dem Schielenden,der beide Buchseiten zugleich liest, zuerst an dem Seigneur Gaulard unddann an dem Abbe Coignard hangen geblieben. Dieses nun stammt ausLorenzos des Großmächtigen Munde, und Polizian hat es für witzig ge-nug erachtet, es seinen Notizen einzuverleiben. Der Abb6 Coignard sprichtalso, was sein geistlicher Bruder Polizian geschrieben hat, und so wirdder hübsche Vergleich zwischen der lebendigen Beweglichkeit des derGeschichte angehörenden Florentiners mit der konstruierten Gauloiserieder Romanfigur zu einer Ahnung grotesker Wirklichkeit.
Derlei Beziehungen, freilich nicht immer von so überraschender Art, wer-den sich jetzt, wo das Bei libretto zum ersten Male nach fast vierhundertJahren der Öffentlichkeit vorliegt, des öftern aufspüren lassen. Dem Ab-druck liegt natürlich die Ausgabe der Facetie von 1548 zugrunde; kontrol-liert wurde der Text der Ausgaben von 1550 und 1562. Zur Verbesserungkonnten hin und wieder die Fazetien Nicolö Angelios benutzt werden, undandere Korrekturen ergaben sich ausderVergleichung mit zeitgenössischenoder altern Literaturdenkmälern. Anerkannt muß jedoch werden, daß sichder Setzer der Druckerei Torrentino die größte Mühe mit der Entzifferungdes Manuskriptes gegeben hat, das ihm Domenichi ohne jede Änderungund Berichtigung, dafür aber mit der Mahnung zu größtmöglicher Eile hin-geworfen haben mag. Die Anmerkungen trachten einerseits die Personen unddie Ereignisse historisch festzustellen, andererseits gehen sie auch auf stoff-geschichtliche Momente ein, also auf den Nachwels von Quellen und Vor-läufern Polizians sowohl, als auch auf das Fortleben der Schwanke, Apo-phthegmen und Sprichwörter. Beide Arbeiten haben, trotz ihrer Unvollkom-menheit, viel Zeit und Mühe gekostet, zumal da sie der Hauptsache nachin Prag durchgeführt werden mußten, wo die Hilfsmittel nur sehr spärlichvorhanden sind. Mit besonderer Dankbarkeit gedenke ich der liebenswür-digen Unterstützung, die ich bei den leitenden Beamten einer Reihe vonitalienischen Bibliotheken gefunden habe, so der Nazionale, der Laurentianaund der Marucelliana in Florenz, der Ambrosiana in Mailand, der Comu-nale in Siena, der Marclana in Venedig, der Universitätsbibliothek in Bologna.
XLIV