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Angelo Polizianos Tagebuch (1477 - 1479) : mit vierhundert Schwänken und Schnurren aus den Tagen Lorenzos des Großmächtigen und seiner Vorfahren
Entstehung
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Ansonsten sind die italienischen Gelehrten, in übrigens durchaus begreif-lichem und schönem Nationalstolz, nicht gerade hoch erfreut, wenn sichmit ihrer Nationalliteratur ein Ausländer anders denn als reiner Genießerbefaßt, und bei der ganzen, mehr als zweijährigen Beschäftigung mit diesemBuche ging mir das Wort durch den Kopf, womit der von allen VerehrernPolizians so hoch verehrte Isidoro del Lungo die nicht italienischen Ver-fasser von Büchern über Polizian charakterisiert: impari al proprio tema!das ist: ohne Verhältnis zu dem Gegenstande! Mehrmals war ich nahedaran, die Arbeit aufzugeben, Verzicht zu leisten auf die weitere Ver-folgung der entdeckten Spur und das Bei libretto hinter den Bibliotheks-mauern in seinem Dornröschenschlaf zu lassen; aber immer wieder undschließlich auch in entscheidender Stunde sagte ich mir, daß es dochkeine Kleinigkeit, sondern etwas Schönes und Großes sei, die längst ver-klungene Stimme des Sängers wieder zum Tönen zu bringen, einem gro-ßen Toten zurückzuerstatten, was ihm gehört hat und als sein Erbe seinerNation und mit dieser der Welt gehört. Daß ich mit Polizian unpaar bin,das ist nun einmal nicht zu leugnen, aber der Vorwurf, wenn er überhaupteiner sein kann, trifft mich weniger als die, die es, obwohl ihnen allesviel leichter gefallen wäre, verabsäumt haben, ihre Aufmerksamkeit einemBüchlein seiner Zeit zu schenken, das von allen Freunden und GönnernPolizians spricht, nur nicht von Polizian.

PRAG ALBERT WESSELSKI