seiner Pfauenfeder geschmückt habe. Aber die Facecieshaben auch den seinenNamen tragenden Widmungsbrief samt diesem Namen übernommen, und somüßte der auch in jener Venezianer Ausgabe, wenn sie ihre Vorlage gewesenwäre, gestanden haben; dann wären aber auch in dieser seine sogenanntenAutorenrechte gewahrt gewesen, und anstatt daß sich ein anderer mit seinenFedern geschmückt hätte, wäre er von diesem mit dessen Federn bedachtworden. Die Vorlage der Facecies war also entweder die Ausgabe von 1548oder die 1550 bei Constantini erschienene, und aus ihr die von Domenichiso absprechend charakterisierte andere Venezianer Ausgabe zu erschließen,ist unmöglich.
Wer hat denn nun aber, um die Sache von einer andern Seite anzugehn,dem Pfau Domenichi wirklich Federn ausgerupft? Es mögen ja mehreregewesen sein, denen das fremde Gut, das sich Domenichi angeeignet hatte,in die Augen stach, aber als Plagiator dieses Erzplagiators ist uns nur eineinziger bekannt, der schon genannte Antonfrancesco Doni. Diesen hatteDomenichi, was dann wohl auch der erste Grund von Donis Feindschaft gegenihn geworden ist, schon, als 1549 dessen Übertragung der Briefe Senecas er-schienen war, des Plagiats bezichtigt, und selber war er von ihm in den Marmiplagiiert worden, in deren zweitem Teile Doni Domenichis noch ungedrucktenDialogo della stampa einfach gedruckt hatte, ohne irgendwie des Urheberszu gedenken 1 . Gibt es nun ein Buch Donis, das er „eher eine Barbarisierungals eine Nachahmung" seiner Fazetien hat nennen können? Ja; dies istdie 1552 vollendete Zucca: abgesehen von andern, gelegentlichen Ent-lehnungen sind in dem dritten Buche, das überschrieben ist Foglie dellazucca, und zwar in seinem ersten Teile, wo den sich abwechselnden Dicerieund Favole je ein Sogno folgt, die Stoffe der Schnurren zumeist den Dome-nichischen Fazetien entnommen, und mehr als zu drei Vierteln entstammendiesen die in dem vierten Buche, den Frutti della zucca, eingeschaltetenMotti, sentenze, argutie o dettl dl dlversi. Dabei hatte sich Doni bald daraufnoch selber dieser Aneignungen sozusagen gerühmt: an der schon ange-schnittenen Stelle der Marmi (II 91) wird festgestellt, daß es kein schöneresStückchen je habe geben können, als das, das Doni ausgeführt habe, als ihmDomenichis Fazetien zu Gesicht gekommen seien: sofort habe er die Federgenommen und ein andres Buch mit Schwänken, Sinnsprüchen, Witzworten,Sentenzen und Sprichwörtern verfaßt, und da er Chiacchiere, Baie und Ci-calamenti (so heißen Unterabteilungen der Zucca) geschrieben habe, sozu-sagen Dinge aus seinem Kürbis oder seiner Zucca, so habe er es Zucca ge-
* S. A. Tessler im Giornale dl erudlzione, I (1889) 184 bis 189 und SalvatoreBongi, Annali dl Gabriel Giolito de' Ferrari, Roma, 1890f., II 166.
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