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Angelo Polizianos Tagebuch (1477 - 1479) : mit vierhundert Schwänken und Schnurren aus den Tagen Lorenzos des Großmächtigen und seiner Vorfahren
Entstehung
Seite
XXXIII
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ein Zahlenpaar Sechsundsechzig, warum in Deutschland um die Jahr-hundertwende Florenz ein Synonym für Sodom geworden ist 1 .

Von einem Herabreißen der Masken aber, von einer Entlarvung kann nichtgesprochen werden; das würde die Absicht voraussetzen, Werturteile zugeben oder hervorzurufen und an den Pranger zu stellen. Polizian wollte indiesem Tagebuch, wie man auf jeder Seite sieht, keineswegs jene Kritik üben,in der er, wie seine literarischen Fehden beweisen, ein Meister war; ja, nichteinmal schildern wollte er hier, und wenn neben der Erfüllung des Bedürf-nisses, das Erlebte oder Erhörte zu behalten, überhaupt eine Absicht mit-gespielt hat, so war es wohl nur die der gelegentlichen Verwertung. Aberobwohl er keine Stellung zu dem bezieht, was er aufschreibt, so merkt mandoch, daß er zugunsten der Medici im allgemeinen und insbesondere fürseinen Lorenzo eingenommen ist, man merkt das Wohlwollen für dessenFreunde, die ja auch seine eigenen sind; immerhin, zu einer ausgesprochenenParteinahme oder gar zu einer Verherrlichung, wie er sie in seinen sonstigenWerken übte, hat sich die dankbare Anhänglichkeit, die er dem Geschlechteschuldete, in dem Tagebuche nicht verdichtet, und manch eine Fazetie ist ge-eignet, die Auffassung zu stärken, die Medici seien nicht so sehr liebendeVäter des Vaterlands, wie skrupellose Familienpolitiker gewesen. Trotzdemhat wohl das Bei libretto, als es in der Zeit der neu erstarkten Macht derMedici erschien, bei diesen, deren Vorfahren freilich nicht nur sehr glimpf-lich weggekommen, sondern auch in allem und jedem als die Meister allerandern erschienen, sicherlich eher Billigung als Ablehnung gefunden; dasGegenteil jedoch mußte bei jenen Familien zutreffen, von denen längst ver-storbene Angehörige häßlicher Charaktereigenschaften und schändlicherHandlungen geziehen wurden. Die außerordentliche Seltenheit dieser Fa-zetien von 1548 in keiner einzigen Bibliothek in Florenz ist ein Exem-plar zu finden läßt den Schluß zu, daß sie, wo immer man ihrer habhaftwerden konnte, aufgekauft und vernichtet worden sind, und dasselbe ist wohlmit der neuen Auflage geschehen, die Domenichi zwei Jahre später, nichtmehr in Florenz, sondern in Venedig, herausgebracht hat:

Fazetie | e motti argv-1 ti di alcvni ec-1 cellentissimi inge-1 gni, e nobilissi-1mi signo-1 ri. | In Vinegia. \ Apprcß oBaldaßar Constantini al segno di j

1 Vgl. außer den Nachweisen in dem Grimmschen Deutschen Wörterbuch, vo.Florenzen die bei J. Eiselein, Die Sprichwörter und Sinnreden des deutschenVolkes,Donauöschingen, 1838 176 abgedruckte Stelle aus Geiler von Kaisersberg, weiterMartin Luthers Werke, Weimarer Ausg., XXX, 2. Abt. 142 u. 337 u. Joh. Rasch, VierStuck nichts wehrt, München, 1589 n°50: ,... sodomiiisch laster, florenzung" (zit.in Wanders Deutschem Sprichwörter-Lexikon, IV vo. Vier n°16).

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