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Angelo Polizianos Tagebuch (1477 - 1479) : mit vierhundert Schwänken und Schnurren aus den Tagen Lorenzos des Großmächtigen und seiner Vorfahren
Entstehung
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in groben Umrissen, die ihm aber zur Rekonstruktion durchaus genügthätten und schließlich auch uns noch im allgemeinen genügen. Dasselbetrifft bei einigen Fabeln zu, die wir uns durch ihre Rückstände in Sprich-wörtern erst erschließen müssen im Gegensatz zu Geschichtchen, die denUrsprung von Sprichwörtern berichten oder sie erklären wollen.

Nur aus dieser die Volkskunde als Wissenschaft vorausahnenden Auffas-sung ist zu verstehen, daß Polizian so harmlose Schnurren, die damals wohljedermann kannte, wie die von dem Lämmchen von Dicomano oder vonButtigrones Hund, überhaupt niedergeschrieben hat, noch dazu mitten unterden Fazetien und Apophthegmen der Großen, der Großen nicht nur in demSinne, daß sie zu der herrschenden oder mitherrschenden Oberschicht ge-hörten oder ihr nahestehen durften, sondern der wirklich Großen in demReiche des Geistes, der Philosophen, Gelehrten, Dichter, Künstler und Staats-männer, die in unabsehbarer Reihe an uns vorüberziehen, so daß PoliziansTagebuch den Charakter einer Geschichtsquelle erhält. Es ist, als hättePolizian vorausgesehen, was sich heute, nachdem das Bei libretto des PadreStradino als sein Werk, als das Werk des Verfassers der Conjuratio Pac-tiana erkannt ist, der seine Zeit in den Menschen schildert, die in ihr undmit ihr leben, ereignen wird; in der Praefatio in Suetonium sagt er nämlich:Jeder richte mir sein Augenmerk darauf, um wieviel häufiger die Bei-spiele aus dem häuslichen und intimen Leben bei Suetonius als bei alternHistorikern sind; solche Darstellungen erscheinen mir zweifellos viel ersprieß-licher und nützlicher als die Erzählungen von dem, was in der Ratsversamm-lung, im Kriege, in der Öffentlichkeit und vor aller Augen getan wird. DieseDinge sind oft nur vorgetäuscht oder zeitweilig, jene pflegen immer eigen-tümlich und bleibend zu sein; niemand nämlich kann, wie es im Sprichwortheißt, längere Zeit eine Maske tragen." Nun, Masken tragen die Leute inPoliziansTagebuchaufzeichnungen gewiß nicht.und manch einer der heutigenLeser wird verblüfft sein, welche Züge sich unter den Verladungen bergen,die wir bisher als die wahren Antlitze zu betrachten gewohnt waren. DerVerkünder der platonischen Schönheitsidee, der Priester, der die Philosophiedes Sokratikers mit dem Christentum zu einer harmonischen Einheit ver-schmelzen wollte, entpuppt sich als ein Verächter der Frau, der unter denzelotischesten Mönchen des sogenannten finstern Mittelalters kaum ein Vor-bild gehabt hat, und verdutzt errät man den tiefinneren Grund, daß Donatellofast nur Männer und Knaben dargestellt hat. Überhaupt dieses Laster dermannmännlichen Liebe! Aller schöngeistigen Schwärmerei für das schön-heitstrunkene Griechentum entkleidet, in das Licht des flitterlosen Wochen-tags gestellt, lehrt uns seine jede Mystik verschmähende Bezeichnung durch

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