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Angelo Polizianos Tagebuch (1477 - 1479) : mit vierhundert Schwänken und Schnurren aus den Tagen Lorenzos des Großmächtigen und seiner Vorfahren
Entstehung
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Buchhalters zu dem Zwecke einer spätem Nutznießung registriert wordensind. Soll das ein Vorwurf sein? Nein.

Nicht gehört, sondern exzerpiert hat Polizian außer unpersönlichen Sen-tenzen und Sprüchen nur einige Geschichten, die von dem Pfarrer Arlottohandeln. Obwohl dieser zu der Zeit, wo Polizian an seinem Tagebuchearbeitete, noch am Leben war, muß sich doch schon jemand mit einerSammlung seiner Fazetien, derer sowohl, die ihm wirklich gehören mögen,als auch der andern, die ihm nur zugeschrieben worden sind, beschäftigthaben, und Auszüge aus dieser Sammlung, die wohl handschriftlich kursierthat, stellen die n°337 bis 350 im Tagebuche dar; in den gedruckten Aus-gaben von Arlottos Fazetien, mit denen das einzige erhaltene Manuskript imwesentlichen übereinstimmt auch dieses hat einst dem Padre Stradinogehört entsprechen sie den n° 1, 4, 5, 7 bis 13, 15, 16, 18 und 22 1 .Ansonsten ist alles, was Polizian erzählt, original, d. h. entweder sein lite-rarisches Eigentum oder das seiner Gewährsmänner, und wo immer sonstParallelen aufgezeigt werden können, ist nie daran zu denken, geschweigedenn zu beweisen, daß er irgendeine Vorlage einfach bearbeitet hätte;was er niederschrieb, waren Anekdoten in dem ursprünglichen Sinne desWortes.

Und diese Anekdoten spiegeln so richtig die Strömungen und Bestre-bungen wieder, die damals, in dem Florenz Lorenzos in der Oberschichtder Bevölkerung im Schwange waren. Lorenzo, der feingebildete Sohnder Renaissance, der das ernste Wissen der toten Vergangenheit mit der

1 Viel weiter hat damals dieses Büchlein von Arlottos Leben, Taten und Meinungennoch nicht gediehen sein können; mag schon noch Polizlans n° 407 aus der 23. FazetieArlottos gezogen sein, so war andererseits die n°410 mit der größten Wahrschein-lichkeit die Quelle für Arlotto n°27. Die n°2, 3 und 17 hat Polizian ausgelassen,weil er ihren Inhalt, augenscheinlich unabhängig von der Sammlung, schon inn°214, 310 und 253 notiert hatte; was bei Arlotto n°20 diesem zugeschriebenwird, erzählt das Tagebuch unter n° 55 von Ser Piero Lotti, und der Held von Ar-lotto n°41 heißt in Polizians n°215 noch Ser Gelio. Mit Polizians n° 293 und 406hat Arlotto (n° 134 und 90) noch nichts zu schaffen; hingegen wird der Inhalt vonArlotto n° 108 und 87 von Polizian schon unter n°212 und 213 erzählt, also unmittel-bar vor dem Gegenstücke zu Arlotto n° 2, der Inhalt von Arlotto n° 71 unter n°260.Bleibt also auch Polizian dem Anonymus, der die sogenannten Fazetien Arlottosaufzeichnete, für vierzehn Geschichten verbunden, so besteht dasselbe Verhältnisauch umgekehrt, und dabei sind noch drei Fazetien Polizians, die von Arlotto be-richten (n°87,351 und 352), in dessen Schwankbiographie gar nicht aufgenommenworden. Auf diese Zusammenhänge gedenke ich bei einer neuen Auflage meinerSchwanke und Schnurren des Pfarrers Arlotto (Berlin, 1910) ausführlich zurück-zukommen, und dann wird vielleicht auch schon die Möglichkeit gegeben sein,der Frage, wer der Verfasser der sogenannten Fazetien Arlottos ist, näher zu treten.

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