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Angelo Polizianos Tagebuch (1477 - 1479) : mit vierhundert Schwänken und Schnurren aus den Tagen Lorenzos des Großmächtigen und seiner Vorfahren
Entstehung
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In Polizians Werkstatt

In seiner Ausgabe der Stanze, des Orfeo und der Rime Polizians (Firenze,1863, zweite Auflage, besorgt von Guido Mazzoni, Bologna, 1912) hatGiosue Carducci mit bewundernswerter Akribie eine lange Reihe von Stellennachgewiesen, wo Polizian andern nachempfunden hat; zumeist sind esReminiszenzen an das klassische Altertum, hin und wieder an ältere undsogar, zu Polizians Zeiten, moderne Italiener. Manches ist ihm aber dabeientgangen, so z. B., daß in der Serenata ovvero Lettera in istrambotti dieErmahnung an die Gattin eines andern,

Cli«, se ne dai a lui quanto c bastanza,Non si vuol gittar via quel che t' avanza

(1863 201, vgl. auch 213; 1912 524, vgl. 540), nichts andres ist als derin eine Aufforderung gekleidete Gedankengang, womit in der 57. Novelledes Dekamerons Madonna Filippa vor dem Podestä und dem Rate vonPrato ihren Ehebruch entschuldigt:Adunque . . . domando io,. . . se egliha sempre di me preso quello che gli e bisognato e piacuto, io che dovevafare o debbo di quel che gli avanza? debbolo io gittare ai cani?" Einpaar Zeilen zurück steht das Sprichwort, daß der Teufel nicht so schwarzist, wie er gemalt wird, fast mit demselben Wortlaute wie in Sacchettis133. Novelle, und wieder eine Zeile zurück der Ausruf:Zara a chi tocca";zu diesem zitiert Carducci die Parallele des Pataffio, jenessozzo brevi-ario de' bagascioni e de' pederasti". Nicht wissen aber hat Carducci können,daß sich Polizian diesen Spruch in seinem Tagebuche angemerkt hatte.In diesem findet sich weiter die Notiz, der Prior von Lucardo pflege voneinem Zahnlosen zu sagen:Costui non tien mica l'anima con denti",und in der 23. Ballata Polizians, die mit nicht zu übertreffender Realistikein scheußliches altes Weib schildert, lauten die Verse 29 und 30 (1863317, 1912 679):

Non tien l'anima'co' denti,

Che un non ha per mediclna.

Die interessanteste Verwendung einer Tagebuchnotiz aber bringt der Be-ginn der 21. Ballata (1863 310, 1912 670):

1' son, dama, el porcelllno

Che dimena pur la coda

Tutto 'igiorno e mal 1' annoda:

Ma tii saral 1' asinino.Che la coda par conosca

L'asinin, quando non l'ha:

Se lo morde qualchc mosca,

Gran lamento allor ne fa.

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