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Angelo Polizianos Tagebuch (1477 - 1479) : mit vierhundert Schwänken und Schnurren aus den Tagen Lorenzos des Großmächtigen und seiner Vorfahren
Entstehung
Seite
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der freilich der Besitzer der damals noch nicht ergänzten Handschrift ge-wesen sein könnte. Gestützt aber wird Papantis Vermutung durch Er-wägungen, die aus folgenden Zusammenhängen fließen:

Nach Papanti wäre Nicolö Angelio 1497 Professore di umanitä an demStudio von Florenz gewesen. Bis zu seinem Tode am 28. September 1494war das nun Angelo Poliziano, und am 27. Oktober desselben Jahres habendie Ufficiali des Studio als Nachfolger des großen Toten zwei Männer er-nannt, nämlichMarcellum domini Vergilii Andreae Berti et ser NiccolaumBaldassaris Angeli de Bucine, cives florentinos"; Isidoro del Lungo, derdiesen Auszug aus den Registern des Studio veröffentlicht hat (Florentia183), fügt den Namen der zwei Gelehrten hinzu:oggi, per noi, dueignoti". Nun, gar so unbekannt sind uns die zwei Männer nicht: Marcellodi Virgilio d' Adriano Berti, Schüler Landinos und Polizians, bald nachdem Antritt der Nachfolgerschaft Polizians im Lehramte, nämlich am 13. Fe-bruar 1498 zum Staatssekretär von Florenz bestellt in dieser Eigenschaftwar er der Nachfolger Bartolommeo Scalas, am 27. November 1521 ge-storben und in S. Francesco al Monte beigesetzt, galt als der größte Rednerunter allen seinen Zeitgenossen, und Ser Nicolö Angelio, der übrigensdie Professur nie angetreten hat (G. B. Picotti, Aneddoti polizianesche,Modena, 1914 8n.), ist eben der Mann, mit dem wir uns jetzt beschäftigen.Er ist wohl, wie seine Ernennung schließen läßt, so etwas wie ein Amma-nuensis Polizians gewesen, und schon dieses Verhältnis allein, ganz ab-gesehen von der Möglichkeit, daß seine freilich nicht aus Montepulciano,sondern aus Montevarchi stammende Gattin, die denselben Familiennamen(Cini) trägt wie Polizian, mit diesem verwandt gewesen ist, würde es er-klären, daß ihm Polizian sein Tagebuch geborgt hat, wenn auch wahr-scheinlich nicht zu dem ausgesprochenen Zwecke einer Abschriftnahme.

Denn der Charakter der Aufzeichnungen konnte es nicht zulassen, daßsie Polizian etwa dem ersten besten gezeigt hätte; das, was uns das Tage-buch so wertvoll macht, die ungeschminkte, knappe Schilderung der Zeitund der Menschen, die Wiedergabe von allerhand Histörchen, auch wennsie auf ihre Akteure kein schmeichelhaftes Licht werfen, hat schon beider Niederschrift jede Absicht und später jede Erlaubnis einer Veröffent-lichung ausschließen müssen, weil ihm diese den Zorn und den Haß ganzermächtiger Geschlechter hätte zuziehen müssen. Aber das Tagebuch kompro-mittiert nicht nur andere, sondern kompromittiert gewissermaßen, freilichnur in den Augen jener, die überall Plagiate sehen, auch den Verfasser selber.

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