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Angelo Polizianos Tagebuch (1477 - 1479) : mit vierhundert Schwänken und Schnurren aus den Tagen Lorenzos des Großmächtigen und seiner Vorfahren
Entstehung
Seite
XVIII
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Für die 274. Fazetie haben wir als frühestes Datum der NiederschriftEnde März 1479 ermittelt; für diese erhalten wir als spätestes Datum desVorgangs den 4. Mai 1479, den letzten oder vorletzten Tag vor der vonMadonna Ciarice erzwungenen Abreise Polizians aus Cafaggiuolo, den letztenoder vorletzten Tag, wo er Pierino noch seinen Zögling nennen durfte.Dieser Tag ist aber auch der letzte für die Aufzeichnung des 404. Stückeswahrscheinliche: Gentile, der Bischof von Arezzo, hat einen Hengst, undder hat dieser Tage . .. Selbstverständlich könnte diese Geschichte auchspäter spielen, aber nichts ist natürlicher, als daß Polizian seine Notizen,die denn auch nichts enthalten, wofür ein späterer Zeitpunkt angenommen

iialiano.V. S.,vol. VI. 426456) aufgestellt hat, als hinfällig erwiesen. Richtig wohlstellt Rldolfi fest, daß Ghirlandajo an jenen Fresken am l.Mail486zu arbeiten be-gonnen hat und damit im Laufe des Jahres 1490 zum Abschluß gekommen ist, undweiter hat er recht mit der Folgerung, daß die 1457 geborene Ginevra de' Benci,die sich im ersten Halbjahr 1473 mit Luigl di Bernardo Niccolinl verheiratet hat undbald darauf, am 17. August desselben Jahres gestorben ist, damals nicht von Ghir-landajo und auch nicht später von Leonardo da Vinci gemalt worden sein kann; einFehlschluß aber ist es, daß Ghirlandajo eine Ginevra de'Benci Überhaupt nicht habemalen können. Die ganze kunsthistorische Wissenschaft hat diese Ausführungen gläu-big übernommen, und nicht einem Gelehrten fiel ein, daß ja in dieser Zeit und nochlange nachher die auch heute noch nicht völlig erloschene Sitte galt, verstorbeneVorfahren oder Verwandte in Kindern wieder aufleben zu lassen; rifare nannte mandas (vgl. unten die 121. Fazetie Polizians samt den Noten). Jene so jung verstorbeneGinevra hatte ihren Namen natürlich nach einer Großmutter oder einer Tante er-halten, und außergewöhnlich wäre es, wenn sich dieser Name nicht auch sonst indem Geschlechte fände. Die Genealogie der Familie Benci ist noch unerforscht,aber als sicher kann auch ohne langwierige Erhebungen In den Archiven gesagtwerden, daß der Vater von Ridolfis Ginevra, Amerigo dl Giovanni di Amerlgo diSimone Benci, in den Monaten März und April 1463 einer der Prioren, der Mann,dem Marsillus Ficlnus das kostbare Geschenk eines Plato-Kodex verdankte, derVater eines Sohnes, der natürlich nach dem Großvater Giovanni hieß so wie erAmerigo, einen Bruder gehabt hat, Lorenzo mit Namen; dieser wieder hatte zu-mindest zwei Söhne, deren einer selbstverständlich Giovanni hieß, während derzweite Tommaso genannt wurde (Ficinus nennt sie in einem Briefe vom 18. August1462 nostri conphilosophi). Warum soll nicht, hätte sich Rldolfi sagen müssen, einerdieser drei Jüngern Benci, entweder Giovanni di Amerigo oder Giovanni di Lorenzooder Tommaso di Lorenzo, einer Tochter den Namen Ginevra gegeben haben! warumnicht zwei von Ihnen? warum nicht alle drei? warum nicht einer ihrer Söhne?Wessen Tochter unsere Ginevra ist, muß vorläufig dahingestellt bleiben; daß aberjenes schöne Frauenbild im Gefolge der helligen Jungfrau diese selbige Ginevraist, kann wohl, wenn anders man überhaupt den zeitgenössischen Angaben Vln-cenzio Tornaquincis und den spätem Giorgio Vasaris trauen darf, nicht mehr be-zweifelt werden. Ghirlandajo hat sie eben einige Jahre nach der Zeit gemalt, wosie mit Pierino und Polizian Kinderspiele spielte, und das junge Mädchen war zumschönen Weibe erblüht.

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