Wir spielten ein Spiel, bei dem Backenstreiche gegeben werden,und Piero di Lorenzo de'Medici, mein Schüler, hatte mir einen zugeben; dann lief er unversehens weg und auf sein Schreibzimmer.Ich fragte Ginevra de'Benci, genannt die Bencina, die mit uns spielte,wohin er gehe, und sie antwortete auf der Stelle: „Wohin soll er gehen?Er geht einen von denen löschen, die Ihr ihm gegeben habt."Der Kreis ist noch enger geworden; nur noch drei Männer könntenin ihm Platz finden. Der kleine Piero, der am 15. Februar 1472 geboreneälteste SohnLorenzos und seiner Gattin Ciarice, hatte in jenem Jahre 1479nicht weniger als drei Lehrer und Hofmeister. Angelo Polizano, sein Hof-meister seit vier Jahren, blieb es bis Anfang Mai 1479; sein Nachfolgerwar ein gewisser Martino della Commedia, den bis dahin Lorenzo nichtgekannt hatte und den ihm Poliziano in Claricens Auftrag ein paar Tagevorher als einen tüchtigen jungen Geistlichen für eine Pfründe hatte emp-fehlen müssen; seine Herrlichkeit dauerte auch nicht lange: schon EndeJuli trat an seine Stelle Bernardo Michelozzi, augenscheinlich empfohlenvon seinem Bruder Ser Nicolö Michelozzi, dem Sekretär Lorenzos. DaßMartino della Commedia, der eben erst in die wegen der Kriegswirren inCafaggiuolo wohnende Familie Lorenzos — dieser selbst ist natürlich inFlorenz geblieben — eingetreten ist, nicht als Verfasser des Tagebuchsin Betracht kommt, ist klar; ebenso wenig kann es der fromme Ser Ber-nardo sein, dem niemand zutrauen wird, er hätte die gewagten Scherzeder Höflinge Lorenzos, die zynischen Bonmots Matteo Francos aufge-zeichnet, von dem nichts bekannt ist, was auf eine Freundschaft mit Mar-silius Ficinus schließen ließe, gar nicht zu reden von der Tatsache, daßdas Tagebuch zu einer Zeit beginnt und sich auf eine Zeit erstreckt, woSer Bernardo mit Pierino nichts zu tun hatte.
Das Tagebuch hat also Angelo Ambrogini Poliziano geschrieben, derFreund des Magnifico, der Freund der zwei andern Dichter Luigi Pulciund Matteo Franco, der philosophisch geschulte Liebling des PhilosophenFicinus, der Jüngling, der seit sechs Jahren mit Lorenzo und dessen Fa-milie in dem Palaste in der Via larga in Florenz und in den mediceischenVillen lebte, jener Polizian, den Domenico Ghirlandajo in den Freskenvon Santa Maria Novella ebenso konterfeit hat wie die „berückend schöne"Ginevra de'Benci, genannt die Bencina, die in dieser, der 319. FazetiePolizian mit seinem Zögling Piero neckt 1 .
1 Durch die Erwähnung der Bencina an dieser Stelle sind die auf Qhirlandajos Bencinabezüglichen Behauptungen, die Enrico Ridolfi In dem Aufsatze Giovanna Torna-buonie Ginevra de' Benci nel coro di S. Maria Novella in Firenze (Archivio storico
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