mittelbar nach dem nur zum Teile geglückten Anschlag gefangen gesetztenNeffen Girolamo Riarios, den siebzehnjährigen Kardinal Rafaello Sansoni-Riario hat man erst am 5. Juni aus der Haft entlassen. Rechnet man nochdie geringsten Fristen, die die Meldung von diesem zweiten Ereignis zudem Wege nach Rom und die Meldung von der dortigen Aufnahme derNachricht zurück nach Florenz gebraucht haben mögen, so ergibt sich, daßdas 187. Stück nicht vor dem 11. oder 12. Juni 1478 niedergeschriebensein kann.
Nun überstürzen sich die Ereignisse. Nicht viel später als in diesen Tagenkann der in dem unmittelbar folgenden Stücke (n° 188) verzeichnete Aus-spruch getan worden sein, wenn er, der in unserm Texte als einfache Sentenz,ohne daß ein Urheber genannt würde, wirklich, wie eine andere Handschriftdes Quattrocento behauptet — wir kommen auf sie und auf ihr Verhält-nis zu dem Manuskripte des Padre Stradino noch zurück —, von PieroMinerbetti herrührt, der am 13. Juni in den zehngliedrigen Kriegsrat ge-wählt worden ist. Die 194. Fazetie spricht schon von dem sich gegen-wärtig vorbereitenden Kriege Sienas mit Florenz und von der zu erwar-tenden Ankunft der neapolitanischen Truppen; diese haben unter dem Kom-mando des Herzogs von Kalabrien zugleich mit dem päpstlichen Heere,das der Graf von Urbino führte, am 13. Juli in Montepulciano das sene-sische Gebiet betreten (Allegretto Allegretti, Diarj sanesi bei Muratori,Rer. ital. Script, XXIII 784). In diesen Tagen (n° 198) tröstet sich ein Greisin Florenz, indem er sich sagt, das Ungerechte könne keinen Bestand haben.
Plötzlich ein retardierendes Moment: die n°204 spielt an dem Tage derFreilassung des Kardinals Sansoni-Riario, der zugleich der Tag war, wodie päpstliche Bulle, die über Lorenzo und alle, die zu ihm halten würden,die Exkommunikation verhängte, in Florenz eintraf, nämlich am 5. Juni (LucaLanducci, Diario fiorentino, pubbl. da Iodoco del Badia, Firenze, 1883 22f.),und erzählt von der Rede, die der venezianische Gesandte in Florenz ausdiesen Anlässen an den Kardinal gehalten hat. Wieder mag der Autor dieGeschichte erst später gehört haben, aber wahrscheinlich ist es auch hier,daß er sie nur eingeschaltet hat, weil sie eine Parallele zu den drei vor-hergehenden bildete, die sämtlich von Gesandten handeln.
Die n°245 berichtet eine Äußerung, die Lorenzo getan hat, als ihm er-zählt wurde, Graf Riario wolle die Stadt Imola, über die er seit 1473 ge-bot, dem Könige von Neapel gegen ein neapolitanisches Herzogtum ab-treten. Von solchen Verhandlungen scheinen die Historiker nichts zu wissen;haben sie aber stattgefunden oder ist zumindest ein solches Gerücht nachFlorenz gelangt, so muß das in der Zeit gewesen sein, als noch das Bünd-
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