Gegenwart erzählt worden, und er schreibt die Sachen einfach so auf, wieer sie erfahren hat. Nebenbei aber läuft bei ihm gelegentlich ein andresVerfahren, und das ist eine Gruppierung nach stofflichen Gesichtspunkten:nicht nur, daß ihm sehr oft eine Geschichte den Anlaß gibt, ihr andere,die von derselben Person handeln, anzuhängen, stellt er auch häufig innereBeziehungen her. Er erzählt beispielsweise inn°40 einen Ausspruch vonLeone Battista Alberti, dieser erinnert ihn an einen ähnlichen AusspruchLodovico Viscontis (n°41), dieser wieder an ein Diktum Donatellos (n° 42),und nun läßt er gleich noch zwei Geschichten von Donatello folgen. DieStücke 95 und 96 bringen beide Parodien von Versen Petrarcas, und augen-scheinlich ist die Erinnerung an die erste durch das Erleben der zweitenhervorgerufen worden; umgekehrt ist es wohl bei den n° 68 und 69 derFall, wo, wie in den Erzählungen von Buddhas Wiedergeburten, die Gegen-wartsgeschichte zuerst steht. Wir dürfen uns also durch ein dann und wannvorkommendes Zurückspringen der Ereignisse nicht täuschen lassen; ab-gesehen von der ja immer vorhandenen Möglichkeit, daß der Autor, alser das spätere Geschehnis niederschrieb, das frühere noch nicht gekannthat, erkennen wir meist unschwer, wodurch er angeregt worden ist, etwasgewissermaßen Versäumtes nachzuholen.
Gleich das erste Stück gestattet uns, die Zeit seiner Niederschrift, wennauch nicht mit einem klaren Striche, nach unten zu begrenzen. Aus demUmstände allein freilich, daß darin Lorenzo um seine Protektion angegangenwird, den Schluß zu ziehen, daß er schon der erste Bürger des Staates ge-wesen sei, ginge wohl nicht an, weil er schon lange vor dem Tode seinesVaters Piero von Bittstellern überlaufen worden ist (vgl. R. Buser, Lorenzode'Mediä, Leipzig, 1879 7f.); immerhin scheint seine Antwort an denBittsteller darzutun, daß sein Interesse an der Besetzung der Staatsämtergrößer gewesen ist, als es gemeiniglich Kronprinzen haben. Gewonnenfreilich ist mit dieser Erwägung, die die Abfassung des Stückes vor 1464ausschließt, nicht mehr, als daß wir bei der weitern Untersuchung alles,was von Ereignissen berichtet, die vor dieses Jahr verlegt werden müssen,beiseite lassen können.
Wenig hat auf den ersten Blick die Fazetie 6 zu sagen; bei näheremZusehen aber erweist sie sich als höchst wichtig. Renato Pazzi, der hiervon seinem Schwager Braccio Martelli geneckt wird, ist am 28. April 1478anläßlich der nach seinem Geschlechte benannten Verschwörung hinge-richtet worden; aus der Nichterwähnung dieses Umstandes, aber auchschon aus dem Wortlaute folgt, daß die Geschichte vor dieser Unglücks-zeit niedergeschrieben worden ist.
XII