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Märchen des Mittelalters
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europäifche Verfion, die aus der alexandrinifchen Tradition das meiftc aufgenommen hat, ihralfo am nächften fteht.

Wie ift aber der Schufter in die Legende gekommen, den in der orientalifchen Traditionerft die fidier ganz junge Handfchrift anführt, die Ja'kub Pafdia benützt hat?

Da fei die Aufmerkfamkeit auf die Tatfadic gelenkt, das der erfte, von dem ApoftelMarkus eingefetzte Patriarch von Alexandrien ein Schufter war, Anianus mit Namen, vondefien frommem Bekenntnis zu einem einzigen Oolte, wie es die Markus-Akten fchildern<Lipfius, II, 2, 332f., 343f.), kein alexandrinifcher Kirdienhiftoriker zu berichten verabfäumt/Severus und ar Rahib berichten diefe Legende gerade fo wie Eufebius und Eutychius, undum jene Zeit hatte eben erft Petrus Damiani wieder einmal von dem gläubigen Schulter inAlexandrien erzählt. Daß hier die eine Überlieferung in die andere eingedrungen ift, kannniemand verwundern.

Denn das ift erft eine Etappe/ es dauerte nicht lange, fo war der aus dem einäugigenFärber entstandene einäugige Schufter ohne Rücklicht auf den argen Anachronismus einJahrtaufend mußte überfprungen werden mit dem Schufter Anianus zufammengeflolfen,der der erfte Patriarch von Alexandrien war. In diefer Geftalt fcheint die Legende zum erftenMale in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts aufzutreten/ ihr vielleicht erfter Erzählerift der Venezianer Pietro de' Natali (Petrus de Natalibus), Bifchof von Jefolo. In feinemCatafogus sanctorum et geslorum eorum handelt das 19. Kapitel des 4. Buches <Vicentiae1493, F 7a) De sancto Aniano episcopo et confessore/ diefes fchildert,

wie der reiche Kaufmann Anianus durch einen Schiffbruch um fein Vermögen kommt,wie er in Alexandrien bei einem Schuhflicker defien Gewerbe erlernt, wie er nach defienTod die Sorge für das Hinterbliebene Kindlein übernimmt und wie der hl. Markus zuihm kommt. Dann folgt das Ausftechen des Auges, das ihn geärgert hat, weiter der Auf-trag des von den Juden angeftifteten Königs von Babylon wegen des Berges. Ein Engelenthüllt dem Bifchof, dazu fei nur der einäugige Anianus Imftande ufw. Der König läßtfich mit all feinem Volke taufen und baut die Hnuptkirche Babylons zu Ehren derhl. Maria und fonft noch mehrere Baliliken. Als der hl. Markus wiederkommt, gibt er demSchuhflicker das Augenlicht wieder und beftellt ihn zu feinem Nachfolger.

Nach Pietro de' Natali, der übrigens feine Angaben vielleicht aus den noch ungedrucktenHeiligenbiographien des Dominikaners Pietro Calo gefchöpft hat, erzählt Johannes Geiler<von Keifersberg) im Evangefißucß, Straßburg, 1515, 70b f. (Evangefia, Straßburg, 1517,73 b f.) und nach Geiler Pauli, Nr. 683/ unmittelbar auf Natali beruft fich Abraham a StaClara, Judas, Salzburg, 1710, I, 88f. Auf dem Specufum fiistoriafe beruhen Joh. Herolt,Promptuarium exempforum, lit. F, ex. 6 (Venedig, 1613, 711), Pelbart (Katona, 82),Magnum Specufum exempforum, vo Fides, ex. 1, Douai, 1614, 354/ auf Marco Polo gehenzurüde Giov. Villani, I. VII, c. 46 (Cronidie, Trieft, 1857, I, 131 f.), Bernardinus de Bustis,Rosarium, I, 98 <f. Bolte zu Pauli, Nr. 683) und Abraham a Sta Clara, Judas, III, 392f.(nach Joan. Bapt. Rufius)/ nadi der Fafiung Etiennes de Bourbon erzählt der hl. Bernhardinv. Siena in sermo IV des Quadragesimafe de refigione Sristiana, Opera omnia, Leiden,1650, 1, 19 (Text arg verdorben / das Wort faber ift ausgefallen, aber der Hammer ift geblieben)/Olivier Maillard, in defien Quadragesimafe, sermo 7, Sermones, Leiden, 1503, 102a einbonus vir simplex irgendwo das Wunder wirkt, gibt als Quelle die Historia sdiofastica an,aber bei Petrus Comeftor ift nichts Ahnliches zu finden.

Diefes Märlein mit der urfprünglich ägyptifchen Lokalifierung ift natürlich nicht daseinzige, das die Evangeliumftelle von dem bergverfetzenden Glauben verwertet. Einiger-

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