AI Mu'izz" zog den Patriarchen Ephraem oft in fein Schloß und überhäufte ihn mitEhren und Verehrung. Aus Neid darob Tagte einmal der Oberfte der Juden zu al Mu'izz:»Ift ein Mann, deffen Glaube nicht fo ift wie ein Senfkorn, würdig, daß er in dem Ratedes Chalifen fitze?« Darum befahl al Mu izz dem Patriarchen, entweder nach dem Satzedes Evangeliums einen Berg zu bewegen oder feinen Glauben zu lalTen, und der Patriarchbat um eine Frift von drei Tagen. Und er und alles Volk begaben lieh in die KircheMo allaqa und falteten allefamt in diefer Nacht, und der Patriarch ftreute Afche. Und eserlchien ihm die Herrin Maria von der Säule und fagte zu ihm: »Gehe in die Drechsler-gaffe in Qasr^sch Scham 1 a, und wer dort mit einem Kruge Waffer auf der Schulter vor-beikommen wird, durch deffen Hände wird euer Heil kommen.« Weil aber diefer Teil derGefchichte bekannt ift, laffen wir ihn jetzt weg. Und er fand ihn und nahm ihn mit, unddie Mohammedaner, die Juden und die Chriften verfammelten lieh bei dem Berge bei derEiefantcnfchwemme, und bei dem Gebete der Chriften wurde der Berg abgefchnitten undfiel in Gegenwart des Chalifen und all diefer Völker. Und das Ift ein Auszug diefer wohl-bekannten Gefchichte.
Diefe Verfiori, die, leider mit erheblichen Kürzungen, die Form darftellt, in der die Legendeum die Mitte des 13. Jahrhunderts in Kairo erzählt wurde, trifft fich in einem Punkte mit dervon Ja'kub Artin Pafcha veröffentlichten Faffung/ dort heißt es nämlich <22):
Was den Berg betrifft, fo nannten ihn die Ägypter Moqafta', d. i. abgefchnitten, undfie nennen ihn auch Moqatfam, d. i. zerfchnitten/ denn vorher war fein Gipfel in einemund ohne Riffe, aber <in dem Augenblidte des Wunders) teilte er fich in drei Abfchnitte,und die fetzten fich nacheinander in Bewegung, fo daß zwifchen ihnen je ein Raum vonetwa zwanzig Ellen blieb. Dergeftalt ift das Wunder bis heute den Chriften augenfehein-lieh und unleugbar geblieben.
Aus diefer Stelle, aus dem Schluffe von ar Rahibs Verfion, aber audi aus dem letztenSatze der oben überfetzten Verfion aus dem Mf. Harfey 3244 fcheint fich zu ergeben, daßzu der urfprünglich mit der Bildung der Legende verfolgten Ablicht, das Wort des Evangeliumsvon dem bergverfetzenden Glauben zu bewähren, fpäter noch eine Art ätiologifchen Momentsgekommen ift: man wollte die Geftalt des Berges erklären. Auf dem Moqaftam ift übrigenswahrfcheinlich al Hakim ermordet worden, und damit war wohl für den von Ja'küb Pafchaüberfetzten Erzähler der Anlaß gegeben, diefen in die Legende einzubeziehen, was er aller-dings auf die ungefchicktefte Weife getan hat. Der Patriarch Abraham nämlich, der mit demSdiufter zufammen das Wunder bewirkt, ift kein anderer, als der Patriarch Ephraem, der,nach Bifchof Michael, auch Abraham hieß (Renaudot, 366: Ephraem, qui alio nomine Abra-hamus appellatur), der aber bei Hakims Geburt fchon zehn Jahre tot war.
Ja'kub Pafchas Darfteliung fchiießt mit der Behauptung, auch die Mufelmanen glaubten
die Gefchichte/ Renaudot hingegen (teilt <370> feit, daß fie fich weder bei Elmacinus <Girgis
ibn al Makin, f 1273/ vgl. Brockelmann, I, 348), noch bei Makrizius <Abü TAbbas ihn al
Maqrizi, f 1442/ vgl. Brockelmann, II, 38) findet, »worüber man fich bei Mohammedanern
nicht zu verwundern braucht«. Von chriftlichen Schriften, die von einem folchen Wunder
berichten, nennt er die Historia Catfioficorum Nestorfanorum, alfo wohl die von l Amr ibn
Matta verfaßte, die H'. Gismondi mit andern neftorianifchen Gefchichtsquellen Rom, 1896f.
herausgegeben hat <mir nicht zugänglich), weiter Marco Polos Reifebefchreibung und fchließ-
lich als einziges der den Gegenftand behandelnden jungem griediifchen Bücher das T/fj/eipt-
Sicw Ktpl ty)c xataaTaa^iu? t(»v ttljfMpov eupiaxo^iivoiv EXXVjvtov von Christophoros Angelos,
Canterbury, 1619. Auch von diefer Erzählung (xKpcfX. v.l., 24-26) fei ein Auszug gegeben:
Vor etwa fechzig Jahren <alfo um die Mitte des 16. Jahrhunderts) haben die Juden vonKairo den TraifeK, den Pafcha, deffen Geldgier ihnen bekannt war, nicht nur auf jene Stellebei Matthäus, fondern audi auf Markus, 16,18 aufmerkfam gemacht, wo es heißt: »Wennfie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nichts fchaden.« Diefe Probe belchließt der Pafchazuerft zu machen, und. zwar an dem <griechifchen) Patriarchen. Da ihm aber die Juden
260