er fich gemäß dem Evangelium ausgerufen, weil er die Augen gegen Gottes Gebot aufunerlaubte Dinge gewandt hatte, und er habe es für belfer gehalten, einäugig ins Paradieseinzugehen als mit beiden Augen in die Hölle geworfen zu werden/ er habe fidi einemFärber verdungen und arbeite den ganzen Tag, und fich behalte er nichts als Brot, undden Reit verteile er an die Armen, und für diefe fchöpfe er des Nachts WalTer, und dieübrige Zeit verwende er auf das Gebet. Und er bat den Patriarchen, dies niemand mit-zuteilen, und fügte bei, er folle ruhig zu al Mu izz sehen und mit Kreuzen, Evangelienund RauchfälTern zu dem Berge vorfchreiten, fo daß die Chriften hier, die Mufelmanendort ftünden, und er werde hinter ihm in der Schar fein, auf daß ihn niemand erkenne/dann müßten alle eine lange Zeit Kyrie eleison rufen und fich zu Boden werfen, undnachdem fie dies dreimal getan hätten, folle der Patriarch gegen den Berg das Kreuzes-zeichen machen, und er werde Gottes Glorie fehen.
Alles dies wurde befolgt, und nachdem alMu'izz mit feinem Vezir und feinen Hofleutenund einer großen Menfchen menge an den Ort gekommen und die Gebete famt dem Kreuzes-zeichen gefchehen waren, begann fich der Berg von feinem Orte zu bewegen/ und in ihremSchrecken darob begannen die Mohammedaner zu rufen: »Allah akbar: es ift kein Gottaußer dir!« So wurde denn der Patriarch entladen und von feiner Furcht entledigt, undder fromme Mann, der hinter ihm gewefen war, wurde niemals wieder gefehen.
Nun (teilte al Mu' izz dem Patriarchen einen Wunfch frei, und als diefer erklärte, erwünfehe nichts fonft als das Wohlergehen des Fürften un.l daß er feinen Feinden obfiege,befahl er ihm, trotzdem etwas zu verlangen, und fo verlangte der Patriarch die Erlaubnis,die Kirche des hl. Merkurius in Festat wiederherzuftellen, weil es feit ihrer Zcrftörungden Chriften nicht möglich gewefen fei, fie wieder zu errichten, und die gleiche Erlaubnisheifchte er für die Kirche Mo'allaqa, die zum Teile vernichtet, zum Tale baufällig war.AI Mu'izz gewährte beide Wünfehe und befahl, die Erlaubnis Ichrifflich auszufertigenund das für die Ausgaben nötige Geld aus dem Staatslchatze beizuftellen. Die Schrift nahmder Patriarch an, das Geld aber weigerte er fich anzunehmen.
Nun aber machten die Mohammedaner die größten Änftrengungen, die Wiederherftellungder Kirche zu vereiteln/ denn ihr äußerer Teil war in einen Markt verwandelt worden,und fie erklärten, fie würden nidit dulden, daß auch nur ein Stein gerückt würde. Da befahlal Mu izz feinen Soldaten, zu helfen und die Grundmauern des neuen Gebäudes zu legen.Als die Erde ausgehoben wurde, fprang ein mohammedanifcher Mönch in die Grube undfchwor, er werde fich lieber unter der Erde und den Steinen begraben laflen, als daß derBau erffehen follte. AI Mu izz aber befahl, ihn an Ort und Stelle mit Steinen zu ver-fchütten, und durch die Bemühungen des Patriarchen wurde er halbtot herausgezogen.Seither wagte niemand mehr, gegen das Verbot des Fürffen zu fprechen oder zu handeln.
Daß al Mu'izz bei dem Neubau derMo'allaqa, den einige Fanatiker verhindern wollten,felber auf dem Platze erlchienen ift und in feiner Gegenwart die Grundmauern hat legen laflen,ficht als hiftorilche Tatfache ebenfo feft, wie daß er die Erlaubnis zu dem Neubau diefer Kircheund der des hl. Merkurius dem Patriardien Ephraem gegeben hat <vgl. Wüftenfcld, 35f. undCl. Huart, GefSiSte der Araßer, überf. v. S. Beck und M. Färber, 1914f., I, 344>. Was alfoder Bifchof von Tanis berichtet, fügt (ich genau in die Gelchichte ein. Die Wundererzählung,deren Legendencharakter auch durch die Namenlofigkeit fowohl des einäugigen Frommen,als auch des Berges zum Ausdruck kommt, leitet er mit den Worten ein: »Man erzählt«,bezeichnet fie alfo felber nicht als Gefchichte, fondern als Überlieferung. Seine Darftellunggibt uns denn die Legende in jener Geftalt, wie fie in der erften Hälfte des elften Jahrhundertswenn fchon nicht an dem Orte des Wunders felber, fo doch mindeftens in dem allerdings faftzweihundert Kilometer entfernten Alexandrien lebendig war.
Renaudot fagt <370>, diefe Gefdiichte erzähle auch als durchaus bekannt der Autor desCßronicon orientafe. Diefes ift 1259 von Butrus ibn ar Rahib, der 1270 Diakon an derMo'allaqa war, verfaßt worden. Assemani hat die lateinifche Überfetzung, die ein fyrifcherMaronit 1651 herausgegeben hat, nach dem von diefem benützten Kodex, der aus demJahre 1307 ftammt, revidiert/ nach diefer Ausgabe, Venedig, 1729, 94 lautet die Darftellungar Rahibs:17*
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