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Märchen des Mittelalters
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der gemeinfamen Jahreszahl und des gemeinfamen Vorkommens des Chalifentitels beiMarco Polo und bei Vincentius, obwohl ihn diefer als Namen gebraucht, für diefe beidenVerfionen einen gemeinfamen Urfprung annimmt, auf fechs vermindern. Für diefe erhaltenwir folgendes Schema:

1. Unfere Erzählung (Mf. Harfey 3244) : Alexandrien. Einäugiger Schufter.

2. Gaudrin: Babylon-Jerufalem. Jüdifcher Ratgeber. Augenlofer Schulter.

3. Vincentius und Marco Polo: Chalif. Augenlofer Schufter.

4. Etienrte de Bourbon etc.: Heiden. Schmied.

5. Mf. Arundef 231: Bifchof in heidnifcher Gefangenfchafr. Knabe.

6. Compifatio sing, ex.: Bifchof in heidnifcher Gefangenfchaft. Einäugiger Schulter.Welche von diefen Gefdiichten gibt nun die Urform wieder? oder wie hat diefe erzählt?

Stammt fie aus einer der Gegenden, wo die eine oder die andere Faffung lokalifiert ift? DiefeFragen fchienen fchon gelöft zu fein.

1894 hat nämlich Jakab Artin Pafcha in der Revue d'Egypte, I, 12 »22 aus einerarabifchen Handfdirifr, einem »volume depareille ayant fait partie de l'histoire des Patriarchesd'AIexandrie, redigee par Severe, eveque d'Adimounein«, einen Abfchnitt überfetzt, der alseine Parallele zu unferer Gefchichte angefprochen werden kann. Da Viktor Chauvin in derZW, XIV, 316-318 einen (bis auf wenige Punkte) vollftändig entfprechenden Auszug dieferaußerordentlich weitlchweifigen Erzählung gegeben hat, genügt eine kurze Feftltellung derwefentlichften Daten.

Ort: Kairo. Herrfdier: al Hakim. Anffifter: fein Vezir, ein Jude. Bifchof:tler<koptifche>Patriarch Abraham, refidierend in Alexandrien (diefer Name, der außerordentlich wichtig ift,fehlt in Chauvins Auszug). Wundertäter: der aus dem bekannten Grunde einäugige SdiufterSimeon. Tag des Wunders: Der 6. des Monats Kiak. Jahr: augenfeheinlich das TodesjahrHakims. Der bewegte Berg: Moqatta' oder Moqattam.

Vertragen nun diefe fo genauen Angaben eine hiftorifche Prüfung? Wir wollen diefean der Hand von F. Wüftenfelds Gefdncßte der Tatimiden-Cßafifen nadi den araßijcßenQuelTen, II. Abt., 1881 (Aßß. d. ßgf. Gef. d. Wiffenfcßafi. in Göttingen, XXVII) und vonAlfr. v. Gutfchmids Verzeicßnis der Patriarcßen von Afexandrien (Kfeinere Sdirifien,1889f., II, 395-525) vornehmen. Das Ergebnis ift:

AI Hakim, geboren 985, hat zwar die Chriften verfolgt, ebenfo aber auch die Juden.Er hat von 996 bis 1021 regiert (1011 begannen die Chriftenverfolgungen), aber in diefenganzen fünfundzwanzig Jahren war nie ein Jude Vezir. Patriarchen waren in diefer ZeitPhilotheos (979-1003) und Zacharias (1004-1032). Severus, der Bifchof von Ufchmunain inOberägypten, der noch ein Zeitgenoffe von Philotheos war, mag Hakims Regierungsantrittnoch erlebt haben/ feine Patriarchengefchichte aber reicht nur bis zu dem Tode des PatriarchenSanythios I. (880), fchließt alfo etwa hundertundvierzig Jahre vor dem angeblichen Ereignis,das Ja'kub Artin Pafcha aus diefer feiner Patriarchengelchichte überfetzt haben will.

Diefe Erzählung Ja'kub Palchas ift alfo apokryph, und es bleiben nur zwei Möglich-keiten ihrer Entftehung: entweder hat fie ihr unbekannter Verfaffer einfach erfunden, oderfie ift ein in Unkenntnis der gelchichtlichen Tatfachen unternommener Verfudi, eine überlieferteLegende an andere Perfoncn der Gefchichte zu knüpfen.

Nun hat Severus Nadifolger gefunden, die fein Gefchichtswerk fortgefetzt haben, unddiefe Fortfetzungen wurden feiner Patrinrchengekhidite angehängt/ diefcs Sammelwerk hatFufeb. Renaudot in feiner Historie! Patriarcßarum Afexandrinorum Jacoßitarum, Paris,17

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