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Märchen des Mittelalters
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haben von ihrer Beweiskraft nichts verloren, obwohl feither noch zwei perfilche Varianten

bekannt geworden find, wo der Rcchtsfall des Fleifchpfandes zufammen mit andern durch

Urteile nach der Weife Schemjakas entfchieden wird/ fie ftehen bei Nosherwanji Kuka, 229f.

und nadi einem 1869 in Täbris erfchienenen Buche bei G. L. Leszczynski, Hißayat, 1918,

81 f. (hier ftimmt die Einleitung zu J. Malcolm, S/ietdies ofPersia, 1, 99f.>. Daß die Schnurre

in Gladwin's Persian Moonsßec nicht als Beweis für die orientalilchc Herkunft herangezogen

werden kann, hat ebenfalls fdion Simrock <I, 319) dargetan/ heute läßt fich feftftellen, daß eine

große Zahl diefer 76 Gefdiiditen aus europäifchen Quellen Rammt, und gerade diefe hat in

Europa eine ftattliche Anzahl von Vorgängerinnen.

Die Reihe beginnt mit den Divers propos memoraßies von Gilles Corrozet, Paris',

1556,62 a:

In Konftantinopel borgt ein Jude einem Chriften 500 Dukaten unter der Bedingung,daß er ihm anftatt der Zinfen(pourrusure> am Verfallrage zwei Unzen Fleifches aus irgend-einem Körperteile fdineiden dürfe. Der Chrift bezahlt pünktlich, weigert fich aber, dasFleifch herzugeben. Der Jude zitiert ihn vor den Sultan, und diefer heißt den Juden, diezwei Unzen herauszufchneiden/ bei Todesftrafe aber habe er fich zu hüten, mehr oderweniger zu fchneiden. Daraufhin Ipricht der Jude den Chriften feiner Verpflichtung ledig.

Diefe Fällung ift in eine ganze Reihe von Büchern der verfchiedenften Art unverändertoder in Überfetzung übergegangen/ beifpielsweife feien genannt: Tacecies et motz sußtifz,Lyon, 1559, 38a, Tßresor des recreations <1611), Douay, 1616, 27, Favoral, Les contes etdiscours facetietix, Paris, 1615, 90, L. Garon, Le Cßasse-ennuy <1628>, Paris, 1641, 52Roger Bontetnps, Cologne, 1670, 337, M. Baraton, Poes/es divers, Paris, 1705,109, Bißfio-tßegue amüsante, Paris, 1753, 286, Amüsement curieux, Rouen, 1787, 155, Th. Zwinger,Tßeatrum ßumanae vitae, Bafel, 1586, VII, 1913 <wohl auch l'chon in den frühern Ausgaben)/Zinkgref, Apopßtßegmata, II, <1631>, Amfterdam, 1653,93, Chr. Lehmann, Exifium mefan-cßofiae <1643), Straßburg, 1669,245, J. P. de Memel, Newvermeßrt- und augirte Anmutßigeftiftige Gefe/r/cßaß (1656), Zippcl-Zerbft, 1701, 303, C. A. M. v.W., Neuaußgeßutzter,Kurtzweifiger Zeitvertreißer, 1685, 107/ an Jefuiten-Literatur find zu nennen M. Delrius,Disquisitiones magicae (1573), Venedig, 1605, II, 106, Jac. Pontanus, Attica ßelTaria <1615>,Frankfurt, 1644, 368 <= Gaudentius Jocosus, 1710, 22), Engelgrave, Lux evangefica, I,651, Casalicchio, L'utifecofdofce, c. II, d. 5, a. 9, zit. Ausg. 275,ScipioGlareano<= AngelicoAprosio), La GrilTaia, 1668, 206, M. Somma, Cento raeconti, racc. 91, zit. Ausg. 226 f.Ganz für fich (teilt W. Bütner, Epitome Historiarum, 1576, 41 la, wo die Gefdiichte in Praglokalifiert ift und der Jude Ben Schlomo heißt.

Über ein gälifches, ein bosnifches und ein flovenifdies Märchen, in denen das Shylock»Motiv famt dem Eintreten der Gattin für den Schuldner verarbeitet ift, vgl. Köhler, I, 211 f.,-hierher gehörige norwegifche Märdien erwähnt Reidar Th. Chriftianfen in den TTComm.,Nr. 40, 31, Nr. 890. Des weitern find durdi Veröffentlidiungen der Wiener Akademie vierfüdarabifene Texte bekannt geworden (ZPP, XVI, 458, XVII, 339, XXI, 195), und dies hatden Anlaß geboten, die alte Frage, ob die Urerzählung orientalifcher oder europäifcher Her-kunft ift, neuerdings aufzuwerfen <N. Rhodokanakis in der ZDMG, LXI, 495), freilich ohneErfolg. *

Zu dem Schlafzettel — in der Verfion des Dol'opatßos ift es die Feder einer Nachteule,nocturne strigis penna, woraus der alte deutfehe Überfctzer (Aftd. Bf., I, 143-148) »vedernvon den wylden ruchen lüten« und eines »wylden mannes« gemacht hat') —, dem Schlafdorn,

i> f. oben S. 217.

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