Ebenfo wie der genötigte Mann der Bärin entflieht, entflieht die geraubte Frau dem
Bären: in einem Märfhen von der Bergdraße z. B. (}. W. Wolf, Beiträtfe, II, 67f.) übt fich,
wie in der Erzählung des KandfSur, der Bärenfohn, den die Höhle verfchließenden Stein zu
heben, fo daß er mit feiner Mutter entrinnen kann. Meid aber muß der Bär, damit die Mutter
mit ihrer Nachkommenfchaft zurückkehren kann, fein Leben (äffen, manchmal fogar durch die
Hand des eigenen Sohnes wie in einem avarifchen Märchen <Cosquin, I, 18)/ hierher gehört
eine Erzählung einer finghalefifchen Afptjaßatfiä, auf welcher Mafiävaifisa, VI, 1-33 <transl. by
W. Geiger, London, 1912, 51 f.) und, leider die für uns wichtigden Züge außer acht ladend,
Dfpavai/tsa, IX, 1-4<transl.by H.Oldenburg, London, 1879,160) beruhen (f.auch W. Geiger,
Dipäva/psa undMaßävantsa, 1905, 126 etc.):
Eine bengalifche Königstochter, die zur Betrübnis ihrer Eltern ein zügellofes Lebenführt, läßt fich, da prophezeit worden i(i, fie werde fich mit dem König der Tiere ver-mählen, von einem Löwen in feine Höhle entführen,- dort gebiert fie ihm Zwillinge, einenSohn und eine Tochter. Sechzehn Jahre alt geworden, fragt fie der Sohn, warum fein Vateranders fei als fie, und fie erzählt ihm die Gefchichte. Er fragt: »Warum gehen wir nichtweg?«, und fie antwortet: »Dein Vater hat die Höhle mit einem Felfen verfchloflen.« Erüberzeugt fich, daß er den Felfen heben kann, und eines Tages, als der Löwe auf Beuteausgezogen ilt, entflieht er mit der Mutter und der Schweder, die er fich auf die Schulterngefetzt hat. Die Flüchtlinge gelangen zu einem Vetter der Prinzeffin/ diefer kehrt mit ihrund den Kindern in die Hauptftadt zurück und vermählt fich dort mit ihr. Auf der Sudienach feinen Kindern ffreift nun der Löwe im Lande umher, fo daß die Bauern ihre Dörferverladen. Der König fetzt immer höhere Preife auf den Kopf des Löwen/ als der Preis3000 Goldftüdie beträgt, meldet fich Sihabahu, der Löwenfohn, bei feinem Großvater, unddiefer verfpricht ihm, wenn ihm die Tat gelinge, das Reich. Sihabahu geht zu der Höhle,und kaum fieht er den Löwen, fo fchießt er einen Pfeil auf ihn ab. Die Zärtlichkeit desLöwen für feinen Sohn bewirkt, daß der Pfeil zurückprallt und zu Füßen des Sohnes nieder-fällt, und das wiederholt fich noch zweimal. Als aber dann der Löwe ergrimmt, wird ervon dem Pfeile durchbohrt. Sihabahu nimmt den Kopf mit der Mähne und kehrt in dieStadt zurück/ dort wird er, da inzwifchen fein Großvater gedorben ifl, zum Könige aus-gerufen.
Neben zahlreichen Märchen gehören hierher auch die Stammfagen der Goten und der
Schweden, wie fie bei Olaus Magnus und Saxo Grammaticus vorliegen, fchließlich aber wohl
auch Gcfchichten, wie die, die J. Hänfen, Que/fen u. LinterfuS, z. Gefc/i. J. Haxetiu>afjns,
1901, 85f. nach einem Traktat des 15. Jahrhunderts aus einer Schrift des um zweihundert
Jahre altern Wilhelm von Paris mitteilt:
In Sachfen raubt ein Bär die Frau eines Ritters und fchleppt fie in feine Höhle,- er zeugtmit ihr einige Söhne. Diefe bleiben dann, nachdem die Frau ihrem erden Gatten zurück-gewonnen worden id — wie, wird nicht gefagt — bei diefem und werden fpäter ebenfallsRitter/ ihre Gefichter verraten die Abdämmung.
In diefer Gefchidite haben wir das Gegcndück zu der von dem Kaifer und der Bärin.
*Zu dem Füttern des Menfdien durch das dankbare <oder verliebte) Tier vgl. Marx,GrieS. M., 23f., 57, 121, aber auch Sulpicius Severus, d. I, c. 9 (Migne, Patrof. fat., XX,193), weiter Fr. Rückert, Hamäsa, 1856, I, 52, Kridian v. Troyes, Yvain, v. 3438f., Hart-mann v. d. Aue, Iwein, v. 3894f., die Sagen von Heinrich dem Löwen ufw,, zu dem Zuge,daß der Löwe feinen Gönner aus dem Walde geleitet, Marx, 63f., 69.
von Seif al Muluk der lool Nadjt (Chauvin, VII, 64f.> ausfdimürkt; vgl. R, Levy, 46f. und (ausführlicher)Aug. Bricteux, 270f. Weiter erfetzen mandie Märdien den Bärenfohn durdi einen Stutenfolin <f. Boltc-Polfvka,II, 300-315)^ Wer fpielen aber wohl Dinge mit, die bei Hirtenvölkern nidit zu den Seltenheiten gehören<f. Liebrcdil, Zur Po0s£, 22,n.>.
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