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Märchen des Mittelalters
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er nicht getötet, nicht gcfrohlen, niemand gekränkt und nidit gelogen habe, ja daß er nichttreulos gewefen fei, gerade als hätte er dies alles unabhängig von ihr tun können. Als hätteer dies tun können,- nun, nach der Lehre der Samkhya-Philofophie hätte das diefer Körperwirklich tun können und hat es nur aus fich felbft unterlaffen: diefe Lehre vergleicht zwar dieMaterie einem uneigennützigen Diener, der von der Seele für feine Leitungen weder Danknoch Lohn zu erwarten hat, aber die Materie wird nicht durch den Willen der Seele angeregtund handelt durchaus felbliändig. Und diefe Lehre, die auch die Organe (freilich die innern)wegen ihrer größern oder geringern Bedeutung dem Beamtenftande vergleicht, in demimmer einer über dem andern und der Miniffer über allen fteht — da kann ja wohl einmalauch ein Rangftreit vorkommen —, wählt für die Art der Verbindung der ungeiftigen, aberfchöpferifchcn Materie mit der geiftigen, aber nicht fchöpferifdien Seele den Vergleich desBündniffes zwifchen dem Lahmen und dem Blinden (R. Garbe, Die Säifi/ißya-Pfiifojbpßie,2. Aufl., 1917, 223f.>, den auch die buddhiftifche Literatur kennt <H. Oldenberg, Buddha,8. Aufl., 1921, 65) und der <der Vergleich, nicht nur die Fabel) über die religiöfen Schriftender Juden <f. zb. Wünfche, Der ßafyf. Tafmud, II, 3, 150, Wajifoa raßfia, 1884, 27f.) feinenWeg nicht nur zu den Mohammedanern (Wünfche, Aus Israefs Leßrhallen, III, 125), fondernauch zu den Chriften gefunden hat (f. Chauvin, La re'cenßon e'gyptieiuie des MilTe et unetiuits. Brüllet, 1899, 81, Et. de Bourbon im CatofRom, III, 84, Nr. 22 ufw.). Diefe Ver-wandtfchaft der Fabel von dem Rangftreit der Organe mit dem Bündnis zwifchen dem Lahmenund dem Blinden ftellt fchon Luther fett, der zwar von dem Gleichnis in dem erffen Korinther-brief, 12, 12-27 ausgeht, aber durch die Einführung des bei Paulus nicht erwähnten Magensbeweift, daß er dabei an die Fabel von diefem und den Gliedern denkt, und zur Erläuterungdie Fabel von dem Lahmen und dem Blinden heranzieht, die er aus der griechifchen Anthologiekennt (TifcAreden, V, 88f.).

Bis in die letzte Konfequenz wird diefe Selbftändigkeit der Seele, die fie befähigt, mitdem Körper ein Bündnis einzugehen, wie der Lahme mit dem Blinden oder wie die Zungemit den andern Organen, in einem häufig vorkommenden Exempel durchgeführt, worinder Körper feiner Seele allerlei Verfprechungen macht, um fie zu einem Verbleiben bei ihmzu bewegen/ Jakob von Vitry und die andern, die es erzählen <f. Boltes Noten zu Pauli,Nr. 281) hängen an Traditionen, deren Wurzeln in der indilchen Scholaffilc zu finden find.

54. DieSdiuhe des Teufels. Nach einem Predigtmärlein Jakobs von Vitry (Greven,42f., Nr. 68, Frenken, 129f., Nr. 65).

Die zwei älteften Verfionen diefer Gefchichte find die 48. Fabel der Marie de France(Warnke, 164f.) und die 39. Fabel in der von E. Mall nach ihren wichtigften Fundortenmit LBG bezeichneten Handfchriftengruppe (Hervieux II, 593f.). Diefe Fabel in LSGerzählt:

Ein Dieb, der unter einem Weißdorn fcbläff, findet bei feinem Erwadien neben fidi denTeufel/ diefer verfpricht ihm jede Unterftützung, und bei Anrufung feines Namens werdeer überall ficher fein. Trotzdem endlich gefangen und zur Hinrichtung geführt, ruft er denTeufel an/ der meldet fich: »Ich bin fchon da, fürchte dich nicht.« Auf der Richtftätte an-gelangt, ruft er ihn wieder, und nun erhält er den Rat, Geduld zu haben. Als ihm dannder Stridc um den Hals gelegt wird, ruft er den Teufel zum dritten Male und erinnert ihnan den Dornbufch, den Zeugen ihres BündnifTes/ der Teufel aber fagt: »Bis jetzt halt du

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