Mit Rückficht auf diefe Stelle wird wohl das Wort »hreyfi-köttr« der Vöffunga'Saganidit mit Wildkatze, fondern mit Wiefei zu überfetzen fein, und fo tut es denn auch P. Herrmannin den Isfändifdieii Heßdenromanen {Tßufe, XXI), 1923, 52.
Zu diefem Teile unfers Märchens gehören außer den von Köhler, BafTet, D'Anconaund Bolte-Poh'vka erwähnten Varianten, nach den Wundertieren geordnet, noch folgende:Schlangen: die oben zu Nr. 41 erwähnte Erzählung in Francesco Ponas Lucerna, 7X1$.,Kretfdimer, Neugriediißße Märdjen, 5, Frobenius, Atfantis, II, 170,111, 160/Eidechfen:Atfantis, II, 88, III, 59/ Ameifen: Atfantis, I, 100/ Mäufe: Chalatianz, Die iranifSeHefdenfage Bei den Armeniern in der ZW, XIX, 157. Eine ganz merkwürdige Gefdiichteerzählt der Midrafch Wajißra raßßa, hg. v. A. Wünfche, 1884, 148:
Ein Mann, der von Babylon kommt, beobachtet, wie ein Vogel einen andern, den erfoeben getötet hat, mit Hilfe eines herbeigeholten Krautes wiederbelebt. Er nimmt vondem Kraut mit und verfudit, weitergehend, feine Wirkung an einem toten Fuchfe/ derFuchs wird lebendig. Auf den Höhen von Tyrus angelangt, findet er am Wege einentoten Löwen/ auch diefen bringt er ins Leben zurück, wird aber von ihm aufgefreffen').
In unferm Märchen folgt der Entdedcung des Lebenskrautes der Verfudi mit der Ent-hauptung/ ftark abweichend, in allem Wefentlichen aber gleichartig erzählt die De duoßusmifitißus faßufa in dem 1561 erfdiienenen Tomus tertius conviafium sermonum vonJohannes Galt, 40 f. Galt hat nur aus gedruckten Werken exzerpiert, und meift ift feine Vor-lage leicht nachzuweifen/ bei diefer Gefdiichte aber haben alle meine Bemühungen verfagt.Sie lautet in wörtlicher Übertragung:
Um des Geldes halber zogen zwei Ritter (milites) fröhlich in den Krieg. Auf dem Wege(ließen fie auf eine große Schlange, und die zerhackten lie in viele Stücke. Die Schlangewird durch ein gefundenes Kraut geheilt, und die zerfchnittenen Teile fügen fich fchönzufammen/ alsbald wälzt fie fich in das Waller und entfchwimmt an das andere Ufer. DieRitter find höchlich erftaunt, und der eine fagt zu dem andern: »Strecke deine Handaus/ wir wollen diefes wirklame Mittel erproben, das allen Speerträgern (doryphoris)gar nützlich fein wird « Der Angeredete ftreckt die Hand aus, und der andere fdilägt fieihm ab, fo daß fie zur Erde fällt/ fofort legt er das Kraut auf, und fchon haftet fie wiederwie angelötet. Als der Ritter das verblüffende Wunder an feiner Hand gefehen hat, fagter zu feinem Gefellen: »Nun halte du mir den Kopf hin, und ich will an ihm unfer Mittelverfuchen/ mit diefem Mittel werden wir im Kriege ein tüchtiges Stück Geld verdienen.«Er fchlägt alfo dem andern den Kopf ab, und diefer wächft, kaum daß das Kraut angelegtworden ift, wieder an/ aber das Vorderhaupt ift dem Rücken zugekehrt, und fo wird esfeit, und das Fleifch wird wieder heil ohne irgendeine Narbe. So hatte denn der gute RitterAugen und Mund hinten, vorne aber das Hinterhaupt. <Im lateinifchen Texte find dieWörter occiput und synciput vertaufcht.)
Wie man fieht, ift es unklar, wie die Schlange zu dem Kraut kommt/ hier fcheint denErzähler die Erinnerung verlaflen zu haben.
Eine weitere Parallele zu dem zweiten Teile unfers Märchens findet fich in der Com-pifatio singufaris exempforum, Tours, 142b mit folgendem Inhalt:
Zwei Gaukler, einer ein Engländer, der nach Frankreich zog, um Kunftftücke <subtili-tates) zu lernen, der andere ein Gallier, der zu dem gleichen Zwedte nach Englandwanderte, begegneten einander, und fie fragten einander um den Grund der Reife. DerEngländer fagte: »Ich weiß alles, was es in England gibt«, und der andere: »Ich weißalles, was es in Frankreich gibt/ üben wir die Kunftftücke hier, und gehen wir nichtweiter.« — »Ich werde dir«, fagte der eine, »den Kopf nehmen und ihn dir ohne Ver-letzung wieder auffetzen.« Und der andere fagte: »Ich werde dir die Augen heraus-
'> Die Pointe diefer Erzählung, die in der jüdifchen Literatur keineswegs vereinzelt dafteht <l". bin OorlonBorn, II, 270 f., 357, 363>, begegnet uns fchon in dem 150. Drdiätaka (Dutoit, I, 557 f.>, welter In der Vetalwpancavimsatibä <Uhle, 117, 183 f., Somadeva, II, 348 f.>, in tnehrern Pantschatantra »Verlionen <Hertel,Pancatantra, 132 u. 272>, in dem Kathäratmltora, I, 170 f., in dem Pärsvanätßacaritra, Iiloomlield, 75, beiUehary Day, Toli-Tates öf Bengal, 266f. und in Ncdischebis Jutinameh (ZDMG. XXI, 546>.
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