Druckschrift 
Märchen des Mittelalters
Entstehung
Seite
219
Einzelbild herunterladen
 

32. Salomos drei Lehren. Nach einem Märlein der Compt'Tatio singufaris exem-plorutn, abgedruckt bei Hilka, 9f

Eine Gefchichte der Märdiennovelle von den drei oder zwei oder mehr Ratfchlägenmüßte auch bei oberflächlicher Bearbeitung einen ftarken Band füllen / hätte fie doch u. a. einer»feits Formen zu berückfichtigen wie die in dem Lai de f'oisefet erhaltene oder wie die desDiafogus creaturarum von dem Löwen, der feinen drei Söhnen Anweifungen gibt, anderer-feits aber auch die große Zahl von Parodien, für die als Beifpiele nur genannt feien der485. Schwank des Bar-Hebraeus < Tße Laugßaßle Stories, ed. by E. A. Wallis Budge, London,1897, 126/ vgl. Weil'elski, Der HodsSa Nafreddin, 1911, I, 116f. und 260>, das 43. Stückdes Wegßürzers von Montanus <Ausg. v. J. Bolte, 581> und die 175. Fazetie Poggios, fürdie man, wenn man will, eine Parallele fchon in dem 376. Dschataka finden kann. Außer achtlallen dürfte fie vielleicht die Feftftellungen des älteren Cato bei Plutarch, daß er nur dreimalReue empfunden habe: 1. daß er einer Frau ein Geheimnis anvertraut habe, 2. daß er zuSchiffe gefahren fei, obwohl er fein Ziel auch zu Fuß hätte erreichen können, und 3. daß ereinen Tag ohne Tefiament geblieben fei, oder die drei Dinge, die der hl. Auguftinus nachfeinem Biographen PolTidius von dem Bifchof Ambrofius gelernt hat, oder die drei LehrenJacopo Sforzas für feinen Sohn Francesco.

Am ausführlichften, freilich in fehr enger Begrenzung, hat über diefe MärchenreihenFr, Seiler in feiner Ausgabe des Ruodließ, 1882,45-74 gehandelt, leider ohne Benützung dervon F, Liebrecht, Zur Voffisfiunde, 36f. gegebenen Nachweife, fo daß er weder die 16. NovelleSacchettis noch die 52. der Cent NouvelTes nouvelTes erwähnt, die mit unferm 31. Märcheneine eigene Gruppe innerhalb des großen Gebietes bilden. Bei Sacchetti rät der fterbendeVater dem Sohne, mit einem Freunde nicht fo viel zu verkehren, daß er ihm überdrüffig wird,fich bei einem Verkaufe mit einem mäßigen Gewinne zu befcheiden und auch andere etwasverdienen zu laffen und möglichft in der Heimat zu freien/ in den Cent NouvelTes nouvelTes(natürlich ebenfo auch in dem RecueiT des plaisantes etfacetieuses nouvelTes, 1555, in demJoyeuses Aventures, 1556 ufw. und in C. Malespinis Ducento Novelle, 1609) lauten dieGebote: bei einem Nachbar nicht fo lang zu verkehren, bis diefer nur noch Schwarzbrot auf-tifcht, nie im Galopp zu reiten und keine Frau aus der Fremde zu nehmen. Wie man fieht,find die erften und die dritten Ratfchläge in beiden Erzählungen identifch und Trimmen zu demzweiten und dem dritten in der unfern, während in diefer der erfte eine Ähnlichkeit mit demzweiten bei Sacchetti zeigt/ überdies ilt der traurige Ausgang der Nichtbefolgung des zweitenGebotes in allen drei Fällungen an das Verfagen eines Rofles geknüpft. Wir haben alfo inunferm Märchen ein Mittelglied der andern zwei, denen fie auch noch außer durdi Nebenzüge,wie durch das Aufhängen der Belegftücke für die Richtigkeit der drei Lehren, nahefteht.

Seiler kennt drei Verfionen, in denen die drei Lehren von Salomo flammen: zwei ftammenaus Spanien, und die dritte teilt er nach den Angaben Köhlers, II, 404 au„ TelTmeiers Aßendenvon Abr. M. Tendlau, 1856 mit/ diefe aber ift von R. Wünfche zweimal aus alten Textenüberfetzt (Midraf<6 Rutß rabßa, 1883, 73f. und Aus Israels LeßrßatTen, 1907f„ II, 19f.nach }e\\inek, Bet ßa-Midrafcß), kehrt übrigens auch bei bin Gorion, Born, III, lOOf. wieder.Mitdiefen drei Verfionen hängt unfer Märchen 32 nur durch den Namen Salomo zufammen/anfonften erinnert es durch feinen Hauptzug, wie nämlich die verwettete Frau zurückgenommenwird, lebhaft an die 40. Erzählung der Sukasaptati, Text, simpl., 59 <nicht im orn., wohlaber in der Marathi-Überfetzung, 124f.>, wo die Vereinbarung lautet, der Gewinner derWette dürfe in dem Haufe des Verlierers nehmen, was er mit beiden Händen faffen könne:

219