und fagte zu ihm: »Liebfter, diefe Studenten, die von der Schule kommen, bewirken durchihre Künfte wunderbare Dinge/ könnteft du es beforgen, fo würde ich gern etwas Guteseffen.« Der Student verfprach es, und er nahm des Ritters Schwert und tat, als vollzögeer Befchwörungen, und ließ alle Speifen, die der Mönch gebracht <im Text wohl fälfchlichdetulerat) und die er hatte verbergen fehen, herbeibringen (durch wen?). Und da lieh allebekreuzigten, fagte er: »Werft euch allefamt zu Boden und feht weder nach rechts, nochnach links.« Dann zog er den Mönch unter der Bank hervor und hieß ihn auf feinenfchwarzen Zelter fteigen und befahl ihm, keinen Fuß von der Tür zu rücken, ehe er esihm fagen werde. Nun ließ er den Herrn wieder aufftehen und fagte zu ihm: »Fürwahr,Herr, bevor Ihr eßt, will ich Euch den zeigen, der alles gebracht hat.« Und er gab demGeißlichen Urlaub, und der entwich ohne Verzug. Und nun fagte die Herrin: »Wahr-haftig, wenn der Student von diefen Dingen ißt, fo eile auch ich«/ und ebenfo fagte die Magdund das ganze Gefinde. Und fo hatte der Ritter in dem Studenten, den er als Galt auf-genommen hatte, einen Wirt gefunden, der ihn trefflich ercruickte.
In den vielen Faflungen des zweiten Märchens, wo der eigentlich etwas traurige Heldden Sieg im Wettlauf durch einen feiner Gefährten erringt, ift der ganz überflüffige, nurretardierende Zug bemerkenswert, daß der Läufer einfehläft !und fozufagen wach gefchoffenwird/ dies erfordert nodi Einen, manchmal fogar zwei fonft unnütze Helfer. Diefes Motivnun fcheint fidi fdion in dem fogenannten Hymnus an die Seele der Thomas-Akten zu finden<Lipfius, I, 292f., Hennecke, 277f., M. Rh. James, 411 f.): Der um die Perle ausgefandteJüngling ift in Schlaf verfallen/ dies fehen feine Eltern, und fie wecken ihn durch einen Brief,der wie ein Adler hinfliegt und »ganz Rede« wird. R. Reitzenftein (Helfeniftifdie Wunder-erzäßfungen, 1906, 103 f.) findet, daß der Märchenton des Hymnus an lool Nadit erinnere,und fieht in ihm den Niederfdilag eines ägyptifchen Mythus/ nach H. Lucas (ZW, XVII,125) handelt es fich um »eine jener zahlreichen Volkserzählungen, die, in verfchiedenen Geßaltenals Märchen oder Sagen auftretend, urfprünglich gewiß mythifche Bedeutung haben.«
2S. Der Quell des Lebens. Nach der Scafa cefi, 99 b f.
Vgl. Bolte-PoliVka, 1,503-515/überfetzt iftdiefesStück der Jca/tf «"//'bei Tegethoff, 1,207.
29. Der Räufaer und feine Söhne. Nach der Erzählung des fechßen Weifen indem um 1185 gefchriebenen Dofopatßos von Johannes de Alta Silva, hg. v. A. Hilka, 1913(Hiftoria Septem sapientum, II), 71-78/ f. Cloufton, Book ofSindißad, 370f. und Chauvin,VIII, 204f.
Mit einer ganzen Reihe anderer Märchen aus dem Dofopatßos ift auch diefes in einerLeipziger Handfchrift des 15. Jahrhunderts ins Deutfche überfetzt/ daraus hat es M. Hauptin den Aiid. Bf., I, 119ff. abgedruckt. Diefen Text haben dann nach leichter Überarbeitungdie Brüder Grimm als Nr. 191 in die Kinder' und Hausmärcßen aufgenommen, ihn aber inder Ausgabe von 1857, als fie feinen Urfprung erkannt hatten, durch das Meerßäscßen erfetzt.Wieder abgedruckt ift die Fällung der Brüder Grimm, mit den gewohnten reichen Nach-weifen, bei Bolte-Polivka, III, 369f. Bei einem Vergleiche diefes Textes mit dem hier gegebenenwird der Lefer viele Abweichungen feftftellen können/ fie gehen auf die Rechnung des altenBearbeiters, der z. B. aus den Striges und Lamiae 1 ) feiner Vorlage männliche Unholdegemacht hat.
Zu dem Polyphem-Märchen im Allgemeinen wären außer der bei Bolte-Polivka, III,
') Über die Kinder frelTende Lamla f. J. Bolle in TFCömm., Nr. 39, 5, über die Siriges W. H. Rofcher,Lexikon äergriecß. u. röm. MytMogh, IV, 1552-1557.
217