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Märchen des Mittelalters
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noveffe antiSiffime inedite, Venezia, 1868, 11 f., dann abgedruckt bei Papanti, I, XLIllf. undbei Biagi, 190f., vgl. D'Ancona, II, 159f.

Zu diefem Stücke, das durch den Zug des Ehebruchs auf dem Baume einigermaßenverwandt ift mit der 69. Novelle Boccaccios, habe ich in den SSwänßen und SSnurrendes Pfarrers Arfotto, 1910, II, 333, eine Parallele aus einerl479niedergef<hriebenenitalieniffhenSchwankfammlung mitgeteilt und auch auf Chauvin, IX, 39 verwiefen/verabfäumt wurden dieHinweifeaufBolte2uMontanus,651,Köhler,n,568f.undA.L.JeIlinekim£tf/)^o/-/'o^IX,162f.

*In unferer Fällung ift die Ausrede der Frau, fie habe fo nur gehandelt, damit ihr Gattedas Augenlicht wiederbekomme, nicht fo deutlich wie in dem lateinifchen Gedichte des Adolfus<Th.Wright, A Sefection ofLatinStories, 174), in der fälfdilichPetrus Alfonsizugefchriebenenlateinifchen Profaerzählung (Steinhöwels Afop, hg. v. H. öfterley, 1873,326f„ Wright, 78f.>,in der Gefchichte des Kaufmanns der Canterßury Tafes und in dem deutfchen Gedichte beiA. v. Keller, Erzähfungen aus aftdeutfcßen Handfdirifien, 298f. Ahnliche immer erfolg-reiche Entfchuldigungen der verbuhlten Gattin fpielen eine Hauptrolle in der Schwankliteratur:um eine einfache Abfenz, die dem Gatten das Leben gerettet haben foll, handelt es fich in der3ußasaptati, Text, simpl. Nr. 20, orn. 29/ ein angeblich nicht vollftändig vollzogener Bei-fchlaf ift es bei Parnabhadra, III, c. 12 <Herte(, Tanträtißyäyi/ia, I, 138) und in andern,fpätern Pantsc6atantra-7exten <R. Schmidt, Das Panfatantram, 1901, 229f., Benfey, II,258f., I, 370f.>, in der Sukasaptati, Text. orn. Nr. 41, in dem türkifchen Tuti-Namef>, II,202f., bei Nechschebi (ZDMG, XXI, 533f.>, in der Nr. 181 des KatfiäratnäHara, II, 180f.und in einer rumänifchen und einer flowakifchen Volkserzählung, die H. v. Wlislocki in derZDMG, XLII, 125f. veröffentlicht hat. So wie Isolde den laufchcnden König Marke, betrügtdie Frau den Gatten in einer Gefdiichte, die E. J. W. Gibb in der History qftße forty Vezirs,London, 1886,394 aus einem Manufkript des India Offlee mitgeteilt hat. Ähnliche Züge bietenweiter Sukasaptati, simpl. Nr. 24 und 37, orn. Nr. 38 und 47, Katßäratnäkara, Nr. 62 unddas Fabliau Rutebeufs De Ca Damme quißst fes trois tours entour fe Moustier (Oeuvrescompfetes, rec. par A. Jubinal, Paris, 1839, I, 295f. = A. de Montaiglon et G. Raynaud,Recueifge'ne'raf des Taßfiaux, Paris, 1872f., III, 192f.>.

Schließlich fei noch ein Märlein aus der Compiiatio singufaris exempforum, 80amitgeteilt:

Ein Geiftlicher lag bei einer Frau, und als er, weil der Gatte kam, eiligft wegging, ließer feine Höfen famt dem Schreibzeug in dem Bette liegen. Am Morgen zog der Gatte, derauf den Markt gehen wollte, diefe Höfen an. Als er dann mit feinen Gefelien beim Früh-mahl faß, fchalt ihn einer von ihnen, daß er ihm fo lange verheimlicht habe, daß er fichauf das Schreiben verftehe, woraus ihm denn viel Schade erwachfen fei. Da er leugnete,antwortete ihm der andere: »Ihr könnt es nicht leugnen/ ich fehe ja Euer Schreibzeug.«Darob ganz verftört, ging er wütend weg. Die Frau aber, die gehört hatte, was demGeiftlichen widerfahren war, war unterdeflen zu einem Mönche gegangen und hatte ihngebeten, er folle fagen, dies feien feine Höfen und fie fei belehrt worden, daß ihr Gatte,wenn er, ohne es zu bemerken, die Höfen eines Geiftlichen anziehen könnte, einen Knabenzeugen würde. Und fo gefchah es, und er glaubte der Gattin und war betrogen.

Zu der großen Gruppe, von der diefes Exempel eines der älteften Glieder darftellt,vgl. J. Boltes Noten zu der Nr. 87 von Jak. Freys GartengefetT/diafi. Merkwürdig übrigensund für die vergleichende Literaturgefchichte wichtig ift, wie Jakob Frey, der nach der232. Fazetie Poggios erzählt, die alte Überlieferung wiederherftellt, die es verlangt, daß derGatte getäufcht wird, anftatt daß er fich, wie bei Poggio, mit dem Gefchehenen abfindet undnur feine Ehre und die des Ordens retten will.

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