im Atßarvaveda, I, Nr. 22 <f. auch Rigveda, I, Nr. 50, v. 12> die zur Sonne verwünfditeGelbfudit übertragen wird, ifl einwandfrei feftgeftellt <f. E. Kuhn in dem Nachwort zuG. A. van den Bergh van Eyfinga, Indifdie Einßüffe auf evangefifcße Erzaßfungen,2. Aufl., 1909,118 und R. Garbe, Indien und das Cßriftentum, 1914,66f.>/ noch nicht jedoch,fcheint es, ifl auf die Ähnlichkeit hingewiefen worden/ die zwifchen Charadrios oder Hari-drava und dem den Ausfatz wegfchaffenden Vogel im 14. Kapitel des Leviticus, 7 und 51befleht <f. Br. Baentfch im Göttinger Handkommentar zum Aften Testament, I. Abt.,2.Bd.,1903, 371 f. und J. Scheftelowitz, Das fietTvertretende Hußnopfer, 1914, 37 f., zum Allge-meinen vgl. noch W. Mannhardt, Wafd- und Tefdßufte, 1875 f., I, 21 und J. G. Frazer,The Gofden Bougß, IX, 35 f. u. 51 f.> In einer wefentlichen Beziehung aber unterrdieidet fichder Charadrios von feinem indifchen oder alrjüdifchen Urahn: Er verkündigt auch denAusgang der Krankheit, indem er, wenn der Kranke fterben foll, feine Augen abwendet,ihn aber anblickt, wenn er genefen foll. Auf diefe Stelle des PßysioCogos, die unmittelbarvor der oben zitierten fleht, hat fich der Isländer vorfichtigerweife nicht bezogen/ denn dannwären die Angaben des Todes, welche Kranken fterben und welche genefen würden, über-flüffig gewefen. Hat er aber bei diefem Zuge aus Eigenem gefchöpft? Ilt er der Erfinder desMotivs, daß der Tod zu Häupten des Kranken wirklich den Tod bedeutet?
Nein: dies wird fchon im Talmud ausgeführt, und zwar in dem Traktate Aßoda Sara<A. Wünfche, der Sab. Tafmud, II, 3, 349, J. A. Eifenmenger, Entdecktes Judentßum,1711, 1, 872f.>:
Es geht die Sage, daß der Tod voller Augen ilt. In der Stunde, wo ein krankerMenfch abfcheiden foll, fleht er zu feinen Häupten mit einem gezückten Schwertein feiner Hand, an dem ein bitterer Tropfen hängt. Wenn der Kranke ihn lieht, ergreiftihn ein Zittern/ er öffnet feinen Mund, und der Tod wirft den bittern Tropfen in feinenMund, infolgedelfen ffirbt er, geht in Fäulnis über, und fein Geficht wird grüngelb.
Sollte man nun geneigt fein, aus diefer Talmud-Stelle und weil in dem Pßyßofogos auchjüdifchc Tierfymbolik verwoben ilt <E. Peters, 1. c, 9), auf eine jüdifche Herkunft des Haupt-motivs in unferm Märchen zu fchließen, fo würde dagegen außer dem freilich nicht befondersbeweiskräftigen Umftande, daß diefes Motiv unter den vielen Erzählungen der jüdifchenFolklore, die von dem Todesengel handeln, nur in einigen wenigen, überdies erft in derjüngflen Zeit aufgezeichneten wiederkehrt, auch die biblifche Gefchichte von Bileam fprechen,-iß nämlich Hugo Greßmanns Deutung {Mofe und feine Zeit, 1913, 326) richtig, fo entgehtBileam dem Engel Jahves nur unter der »unausgefprochenen Vorausfetzung, daß ihn dieGottheit nur töten darf, wenn er ihr von vorn in den Weg läuft«. Nun hat tatfächlich einefreilich nicht fehr zahlreiche Reihe von Varianten unfers Märchens, vor allem das 44. derBrüder Grimm und das Faftnachtsfpiel Jakob Ayrers den Zug, daß der Tod, wenn der Krankeihm verfallen fein foll, zu feinen Füßen fleht, alfo wohl von vorn an ihn herangetreten ift,und gerade darum nimmt Greßmann einen Zufammenhang der Bileam-Gefchichte mit demMärchen von dem Gevatter Tod an. Greßmanns Meinung könnte eine Stütze in einer Sentenzfinden, die Eifenmenger <I, 873f.) aus dem hebräifchen Werke „Sdmfscße'fetß ßaßßaßßafd"abdruckt und überfetzt:
Wenn die Zeit des Menfchen herbeikommt, daß er von diefer Welt Abfchied nehmenfoll, fo fleht der Engel des Todes zu feinen Füßen und hat ein fcharfes Schwertin den Händen, der Menfch aber tut feine Augen auf und fieht .... den Engel vollAugen .... und übergibt feine Seele famt feinem Leibe in desselben Hände.
Es geben alfo beide Faflungen des Märchens, die von dem nur zu Häupten und die vondem nur zu Füßen des Kranken tötenden Tode, jüdifche Anfchauungen wieder.
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