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Märchen des Mittelalters
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Nicht fo weit treibt es eine Landsmännin von ihr in einer Novelle, die in dem zuerft

1508 erfchienenen Peregrino von Jacomo Caviceo eingcfchachtelt ift <Ausg. f. [., 1535, 196af.):

Audi diese verlangt zuerft, daß der Jüngling Philofophie ftudiere, aber nach been-digtem Studium wünfrht fie nur noch zu willen, was das Nachtigallenmännchen macht,wann es nadi dem Liebesfpiel von dem Weibchen fdieidet. Der Jüngling ift hodi erfreut,als er von einem alten Weibe erfährt, das Männchen der Nachtigall gebe fich der Luftnur auf einem grünen Zweige hin, in delTen Nähe ein dürrer fei/ auf diefen fetze es fichdann, um lein Gefieder zu glätten. Als er diefe Löfung der geliebten Frau bringt, fagtdiefe: »Alle, die fidi mit einem Weibe zufammentun, find auf dem grünen Zweige, nämlichin der finnlichen Liebe/ nach geftillter Luft aber kommen fie auf den dürren Zweig, nämlichin das Vergeflen der wahren Liebe, in folche Traurigkeit und folchen Widerwillen, daßfie das genoflene Vergnügen gering achten. Und auf daß es dir nicht ergehe wie demNachtigallenmännchen, will ich, daß du lange in Liebeserwartung verharreft.« 1 )

Diefe Novelle hat Nicolö Granucci in das 3. Buch feines Eremita <Lucca, 1569>, wiees fcheint, wörtlich übernommen <f. Ad. van Bever et Ed. Sansot, Oeuvres gafantes desconteurs itafiens, Paris, 1904, II, 250f.)/ vorher fchon (1547> hat fie Gilles Corrozet in demCompte du Rossignof gereimt <Neudruck in dem Recueif de poe'sies fraitfoises, Paris,1855f„ VIII, 49-73).

Mit diefer Erzählung und mit der Juan Manuels nähern wir uns jener Gruppe vonMärchen, die als Bedingung für die Gewinnung eines Weibes die Beantwortung einer Fragevorfieht <vg(. Bolte-Poli'vka, I, 198f.), während der Zug, daß dem Ritter die Löfung durchein altes Weib gegeben wird, an die Erzählung des Weibes von Bath in Chaucers Canter-ßury Tafes, an die altenglifche Ballade The Marriage of Sir Gawat'n ufw. erinnert.

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Zu der Frage der Dame im Conde Lucanor und ihrer Beantwortung vgl. die NotenKnuffs, 414 und 415f., wo auch leicht zu ergänzende Verweile zu den Erzählungen vonSaladins Reifen in das Abendland gegeben werden.

17. Der Königsfohn und der Tod. Nach einer wahrfcheinlich von dem BifchofJon Hald6rsfon <f 1339) aufgezeichneten Erzählung in den Isfendzb Aeventyri, hg. vonHugo Gering, 1884, II, 143f., vgl. 149f.

Zum Unterfchiede von fo vielen andern FalTungen des Märchens wird hier ein VogelKaradius erwähnt, dellen Kräfte man in dem Buche Physiologus verzeichnen werde/ dieferVogel ift der Charadrios des im erften Viertel des zweiten Jahrhunderts nach Chriftus inAlexandrien abgefaßten Pßyßofogos, und dort heißt es <E. Peters, Der griecßifcße Pßyfio-fogus und feine orientafißßen Üßerfetzungen, 1898, 69) tatfächlich von ihm: Er »faugtdie Krankheit des Menfchen in fidi und fliegt empor in die Regionen der Sonne und befprengtfeine Flügel und verbrennt die Krankheit, und er felbft bleibt erhalten und der Krankemit ihm«. 2 )

Daß diefer Charadrios nichts andres ift als der altindifche Vogel Haridrava, auf den

'> Sollte nicht hier die Erklärung der Redensart »Auf <k>einen grünen Zweig kommen« fein? Die bis-herigen Erklärungsversuche <F. Seiler, Deutfcfm Spricdwörtertonde, 1922, 235 und Wander, V 670 f.> befriedigenwohl niemand.

2> Zu diefem Kapitel des Pfiyßologos vgl. außer der bei Boltc-Polivka, I, 378, n. 2 zitierten Literaturnoch I. v. Zingerlcs Noten in feiner Ausgabe von H. Vintlers Vtuemen der Tugent, 1874, 341, da» 64. Kap.des Tractatu.i de diversis fiistoriis Romanorum mit Herzlteins Anmerkungen, die Noten von L. ToulminSmith und P. Meyer zu N. Bozons Contcs mortttises, Paris, 1889, 248 f. und, Aber die merkwürdige Gleichungcharadrlos=calandra=calandrino, die Abhandlung A.M.Biscionis zu Lorenzo I.lppis Matmantite racquistalo,Vcnczia, 1748, 88f.

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