keine nähere Vermutung über ihr Alter aus). Das betreffende Stück, das 35. Kapitel des
1. Buches erzählt <LXI, 49f.):
König und Minifter Greifen, ob Unrecht oder Recht in der Welt herrfche. Zuerft befragenfie ein lahmes Pferd, dann einen alten Stier/ beide, die viel Undank erfahren haben,betätigen die Meinung des Königs 1 ), und diefer (ficht dem Minifter die Augen aus. EinVogel, den der Minifter früher einmal vor dem Tode gerettet hat, bringt ihn zu BrahmasReittier, und diefes gibt ihm neue Augen, eine Stadt und langes Leben. Der König, derweiter ungerecht regiert, wird vertrieben/ er flüchtet lieh zu feinem ehemaligen Minifter,und diefer fetzt ihn wieder in fein Reich ein.
Diefe Fällung, die Chriftianfen ebenfalls unbekannt geblieben ift, hat große Wichtigkeit,weil fie in ihrem Eingange eine außerordentlich nahe Parallele zu dem Beginn von PelbartsExempel, aber auch zu dem von Katona, 36 aus einer Handfchrift des 15. Jahrhunderts mit-geteilten Märlein bietet, dem fie überdies noch in der Art der Heilung des Blinden nahefteht/. von beiden lateinifchen Verfionen weicht fie darin ab, daß in ihr der Böfe nicht beftraft wird.In wefentlichen Zügen aber ftimmt diefe Erzählung des füdlichen PantsSatantra auch zudem 28. Enxemplo des dem frühen 14. Jahrhundert angehörenden Lißro de fos gatos (Escrit.ant. afsigfo XV, 551 f). Auch dort gibt es eine Wette, allerdings in der Geftalt, ob es mehrGewinn bringe, zu lügen oder die Wahrheit zu fprechen, und entfehieden wird fie nicht durchBefragung, fondern durch eine Probe in dem Lande der Affen 2 )/ aber der Blendung, die freilichdurch die beleidigten Affen gefchieht (fpäter fpricht immerhin der Geblendete an zwei Stellenvon feinem Gefährten als dem Täter), folgt die Belaufchung eines Gefpräches von Tieren,in dem ein Fuchs erklärt, wie eine ftumme Königstochter und ihr blinder Vater geheilt werdenkönnten, weiter die eigne Heilung und die der andern und die Erhöhung. Später treffen diebeiden Gefährten einander wieder: Mala Verdad, der einen blinden Sohn zu haben angibt,fragt, wie es der andere angeftellt habe, das Augenlicht wieder zu erhalten/ er begibt fichan jenen Ort, wird aber von den Tieren zerriffen. Hier haben wir alfo zum erffen Male indiefer Märchengruppe das Motiv der Blendung verknüpft mit dem der Belaufchung, gleichzeitigaber auch den Zug der mißglückten Nachahmung, für den wir — abgefehen von dem Dsartgfun,wo jedoch der Nachahmer fein Schickfal durch Überhebung herbeiführt — ebenfalls noch keinerleiältere Parallele, weder in Indien noch fonft irgendwo haben.
Ohne Blendung nun und in ganz anderer Einkleidung finden wir Belaufchung und miß-glückte Nachahmung fchon mehr als ein Jahrhundert früher in einer hebräifchen Erzählung,die M. Gafter aus einem Oxforder Manufkript in der Tofß-fore, VII, 231 f. überfetzt hatund die fich auch fonft noch in der jüdifchen Literatur findet (vgl. ToK'fore, I, 277f. und binGorion, Born Judas, II, 199f„ dazu 353, 366, 368):
Zwei Weggenoffen, ein Jude und ein Heide, ftreiten, weifen Glaube der belfere fei,und wetten fchlicßlich um ihr Geld / fie befchließen, darüber die Leute zu befragen. Dreimalkommt ihnen Satan, jedesmal in anderer Geltalt, entgegen, und immer gibt er dem Hei-den Recht. Der Jude muß alfo fein Geld hergeben. Betrübt legt er fich unter freiem Himmelfchlafen. In der Nacht erfährt er aus dem Gefprädie dreier Teufel nicht nur, wie er betro-gen worden ift, fondern auch wie der Tochter des Kaifers, die nidit gebären kann, zu
>> Diefer Zug kehrt wieder in der zweiten Erweiterung der Äfopifdien Fabel von dem Manne und derSchlange, wo die Behauptung der Schlange, Undank fei der Welt Lohn, anders als In den Indifdien und arabifchenVerfionen, zuerft durch ein Roß und dann durch einen Orlifen bewährt wird/ ihre ältcltc Fällung lieht wohlbei Odo von Ccritona <Hcrvicux, IV, 381 f.). Vgl. Holte-Foh'vka, II, 420 und den mir unzugänglich gebliebenenAuffetz von K. MacKenzie in der Modern Philology, I (Chicago, 19U4>, 497, der Im CatofRom, III, 54 zitiert Ift.
3> Diefe Epifodc hat der Vcrfaffer des Lißro de los fjatos einer der Fabeln Odos von Ccritona (Hcrvieux-IV, 201 f.> entnommen, wie denn fonft fein ganzes Buch nur eine Bearbeitung von Odos Sammlung ift (Hervlcux,IV, 106f.>. Zu ihrer Verbreitung vgl. Bolte-Polfvka, II, 473 n/ nicht ohne Beziehung zu Ihr lieht wohl die Nr. 52bei Chavannes, 1, 195 f.
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