Ausführlich haben über diefes Märchen Bolte-Poli'vka, II, 468-482 gehandelt,- eineMonographie darüber von R. Th. Chriftiansen ift unter dem Titel Tße Tafe oftße two Tra-velTers 1916 als Nr. 24 der TT Communications erfchienen.
Chriftianfen fieht die »Central episode« der ihm bekannten zehn modernen indifchenFällungen und der Erzählung des dfchainirtifchen Katßaftosa, natürlich dann auch der andernAufzeichnungen des Märchens in dem Zuge, daß ein Blinder (oder Krüppel ufw.) ein ihm<oder andern) wichtiges Geheimnis durdi das Belaufchen von Wefen diefer oder jener Gattungerfährt <117f.>. Zu diefem Motive nun bezieht er fich, um fein hohes Alter nachzuweifen, aufein Märchen in dem von Th. Benfey übertragenen <Kofegartenfchen> Text des Paiitscßatantra<Benfey, II, 256f.) folgenden Inhalts:
Ein Königsfohn fiecht dahin, da eine Schlange in feinem Leibe (leckt. Einmal kommt,
■ während er fchläft, feine Gattin dazu, wie diefe Schlange, die den Kopf aus feinem Munde
gelteckt hat, mit einer andern Schlange fpricht, und erfährt fo nicht nur die Art, wie beide
Schlangen getötet werden können, fondern auch das Verfteck eines Schatzes. Sie heilt
natürlich den Gatten und hebt den Schatz.
Diefes Märchen hat Benfey (I, 370) in einen Zufammenhang mit dem unfern Stoffbehandelnden 107. Märchen der Brüder Grimm gebradit, das er als »buddhiftifch und wahr-fcheinlich durch die Mongolen nach Europa gelangt« bezeichnet. Das genügt für Chriftianfen,um — nachdem er nach einem Zitat aus zweiter Hand angeführt hat, das PantsSatantrafei im zweiten Jahrhundert v. Chr. entftanden — zu dem Schlulfe zu gelangen: »It now isapparent that this episode goes far back in Indian tradition.« Leider aber hat Chriftianfenüberfehen, daß Benfey felbft fagt, diefes Märchen fei »ein verhältnismäßig fpäter Zufatz«,-tatfächlich findet er fich, foweit bis jetzt feftfteht, zum elften Male in dem 1199 n. Chr. voll-endeten Pancaüßyäna&a des Dfchaina-Mönches Parnabhadra (Hertel, ZDMG, LVIII, 58und Pancatantra, 76f.).
Bei diefer Hinaufdatierung feiner »central episode« um mehr als ein Dutzend Jahr-hunderte ift es begreiflich, daß es Chrirtianfen einigermaßen unangenehm empfindet, daß erfür jenen Teil des Märchens, den er als »introduetion« bezeichnet, keinen altern Text heran-ziehen kann als das von Benfey als »letzt-erreichbare Urform« angeführte 33. Kapitel desDsangfun, der in das dreizehnte Jahrhundert zurückgeht, und die 18. der Schiefner-Ralston-fchen Tißetan-Tafes. Zu diefer zweiten Gefchichte aber wäre eine ältere Form zu findengewefen/ fie fleht nach einem chinefifchen Werke, das in dem Jahre 710 unferer Zeitrechnungaus dem Sanskrit übertragen worden ift, bei Chavannes, II, 389f., Nr. 381, und die Über-cinftimmung ift fo groß, daß auf eine Wiedergabe verzichtet werden kann. Außerordentlichviel Ähnlichkeit hat fie aber auch mit der zwar bei Bolte-Poli'vka genannten, von Chriftianfenjedoch außer adit gelaffenen Fällung in den HeftpaißerAts 1202 verdorbenen perfifchen DichtersNisami, wo es fich freilich nicht mehr wie in den zwei tibetanifchen Erzählungen und in derindifdi-chinefifchen um Brüder handelt (Tue Haft Paffiar, transl. by C. E. Wilfon, London,1924, I, 214f., vgl. Hammer-Purgrtall, GefcßiSte der ftßönen Redebünfte Perfiens, 1818,116 f.).
In all diefen Verfionen und auch noch in der auf Nisamis Fällung beruhenden Erzählungin den Heft menzer des 1520 geworbenen Perfers Hatifi <W. A. Clouston, Popufar Tafesand Tictions, London, 1887, 1, 257f.) fehlt das Motiv der Belaufchung, ebenfo fehlt es nochin einem tödlichen »Textus amplior« des PantsSatantra, über den Hertel in der ZDMG,LX und LXI gehandelt hat (Hertel meint, diefe Rezenfion fei keineswegs modern, fpricht aber
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