Als der Tag der Tjoft gekommen war und der Ritter fah, daß er kein Pferd hatte, war erfehr betrübt. Auf einmal aber kam ein Kaufmann, und der fagte zu ihm, er würde ihmein gutes Pferd unter der Bedingung geben, daß er die Hälfte des Gewinnes bekäme, dender Ritter an diefem Tage 211 erringen vermöchte. Der Ritter gewährte ihm das gar gern,und er nahm das Pferd des Kaufmanns und beftieg es und ritt zur Tjoft. Dort hielt er fidifo trefflich, daß ihm vor den andern die Ehre der Tjoft ward, und er bekam die Dame zurGattin und mit ihr ihr Land. Als er aber am Abend mit ihr fchlafen wollte, kam der Kauf-mann und pochte an die Tür und gab nicht nach, bis ihm gewährt wurde, mit dem jungenHerrn fprechen zu dürfen. Und kaum ftand er vor ihm, fo Tagte er: »Du kennft fehr wohlden Handel, der zwifchen uns gefchlolTen worden ift, und darum will ich die Hälfte vonallem haben, was du auf meinem Pferde gewonnen halt.« — »Freund,« fagte der Ritter,»nehmet, was Ihr wollt, und laßt mir den Reft.« Als ihn der Kaufmann fo befcheiden redenhörte, Tagte er: »Teuerer Freund, wiTTet Ihr denn, wer ich bin?« Und der Ritter Tagte:»Ihr feid der Kaufmann, von dem ich das Pferd unter derundder Bedingung gekauft habe.«— »Wahrhaftig, mein Freund,« fagte der andere, »ich bin jener Schuffer, delTen LosTpruchswegen Ihr Euer Pferd um Gottes willen verkauft habt. Darum hat mich Euch Gott gefchicktund Euch durch mich gegeben, was Ihr habt, und hat Euch all die Ehre gewinnen lallen,die Ihr gewonnen habt, und er will Euch fo wohl wie fonft niemand auf Erden. Und fobefehle ich Euch unferm Herrn.« Und mit diefen Worten verfchwand er.
Und der Ritter verharrte in der Liebe zu unferm Herrn. Er hatte eine gute Frau undein gutes Pferd, er hatte großen Befitz und eine große Herrfchaft, und fein Gut nutzte er,um den Armen zu helfen aus Liebe zu unferm Herrn, fo daß er und feine Frau in denHafen des Heils gelangten 1 ).
Zu der hinterliftigen Art der Teilung vgl. man 1. VI, c. 3 der Excerpta aus den Contro-versiae des altern Seneca, wo der legitime ältere Bruder auf die eine Seite die ganze Erb»fchaft, auf die andere Seite die Mutter des Jüngern (teilt/ diefe Gefdiichte kehrt in den GestaRomanorum, Oesterleys Ausgabe als Nr. 90, in dem von S. Herzftein herausgegebenenTractatus de diversis ßistoriis Romanorum, 1893 als 45. Kapitel wieder. Vgl. weiter Wander,vo. Äfterer <I, 63) und Tßeifen, Nr. 10 <IV, 1146f.).
13. Die Teilung des Lohns. Nach der nur in einem englifchen Manufkript vor»kommenden Erzählung der Gesta Romanorum, ed. by S. J. H. Herrtage, 413f., Nr. 90/vgl. 506 f.
Ausführlich handeln über den Stoff Bolte-Polfvka, I, 62-65 zu Grimm Nr. 7/ hiereinige Ergänzungen: Guillaume Bouchet, Second' fivre des Sere'es <1597>, ed. Roybet, Paris,1873f., III, 35 = Tßre'sor des re'cre'ations <1605>, Douay, 1616, 250f./ Doctae nugaeGaudentiijocosi, Sulzbach, 1710, 48f./Voltaire, Contes en versinken Oeuvrescompfetes,Paris, 1827, 1,956/ Gottl. C. Pfeffel, Der Herzog und der Pafadin in Taßefn undpoetifdieErzäßfungen, 1840, 260f./ Joe Miller, Till, Nr. 882,- M. J6kai, Wir Bewegen die Erde,Deutfche Ausg. 1875, IV, 5, G. Goyert und K. Wolter, Vlämi/Se Sagen, 1917,55 f. (leiderohne Quellenangabe), W. WilTer, Pfand. Voßsm., 140f./ M. Möller, Die Spieluhr, 1919,28f./ Bompas, Santa!Parganas, 141 f., Nr. 40/ W. Anderfon, Kai/er und Aßt C= TTCommunications, Nr. 42), Helfinki, 1923, 360.
14. Die Wette um die Augen. Nach einem Predigtmärlein Pelbarts, abgedrucktbei Katona, 35f./ vgl. auch 13f.
■> Über die Folgen der Exkommunikation wlffen zwar die mittelalterlichen Prediger viel zu erzählen, fo,daß von einem Exkommunizierten kein Hund und kein Schwein mehr einen Blffen Brot nehmen, daß die Störchenicht mehr auf feinem Haufe niffen, daß er fofort nach dem Tode fdiwarz wird wie Pedi, daß er im Grabekeine Ruhe findet, aber ein Verbot, Exkommunizierte zu beerdigen, hat es wohl nirgends und nie gegeben.
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