4. Frauenhut. Nach einem Predigtmärlein des 1240 verdorbenen Jakob von Vitry(Die Exempfa aus den Sermones feriafes et cominunes, hg. v. J. Greven, 1914, 42, Nr. 67/Die Exempfa, hg. v. G. Frenken, 1914, 128f., Nr. 64).
Die Literaturen aller Zeiten find, wie wir fchon an mehrern Beifpielen gefehen haben,von Schilderungen der Itets vergeblich angewandten Ungeheuern Bemühungen, das Weib zuhüten, fo voll, daß es überflüffig ift, einen Ausfchnitt auch nur etwa aus jenen Erzählungenzu geben, wo der Gatte die Bewachung einem andern anvertraut/ erfolgreich ift z. B, in derLiteratur Indiens, wenn man von dem Papagei in der Sußasaptati abfieht, nur der Rischi-Schüler Vipula im Maßäßßärata <XIII, 40-43), der in den Leib der zu Hütenden eingeht:»Einzig ihm ift je die Bewahrung einer Frau geglückt/ kein andrer in den drei Welten iftimftande, ein Weib zu hüten.«
Das Exempel Jakobs von Vitry hat in der mittelalterlichen Märleinliteratur dreiParallelen: in dem in einer Parifer Handfchrift vom Jahre 1322 erhaltenen Promptuariumexempforum eines Unbekannten {mitgeteilt von Karl Warnke In feiner Ausgabe der Taßefnder Marie de Trance, 1898, I-XV), in der in Handlbhriften in Tours, Bern und Upsalaerhaltenen Compifatio singufaris exempforum (Tours, 158a> und in der Mensa pßifbsopßica,
I. IV, c. 23 (Köln, 1508, 43a, Frankfurt, 1602, 341 f.). Wäre fonach auf franzöfifchenUrfprung zu fchließen, fo lieht dem entgegen eine in Hildesheim lokalifierte, in das Jahr 1132verlegte Erzählung in den allerdings erft 1514 abgefchlofTenen Annafes Hirsaugienses vonJohannes Tritheim (Ausg. 1690, I, 396f.), wo der Hüter der hitzigen Frau nicht der Teufel,fondern ein Kobold, Hütchen oder Hüdekcn mit Namen ') ift. Dadurch, daß diefe GelbSichteJohann Weyer (Wierus) in fein berühmtes Werk De praestigiis daemonum (nicht fchon indie erfte Ausgabe 1563) aufgenommen hat (in der deutfthen Ausgabe mit dem UntertitelVon Teujfefsgefpenft, Zaußerern und Giffißereytern ufw., Frankfurt, 1586 lieht fie 65f.),hat fie eine außerordentliche Verbreitung gewonnen/ vgl. darüber die Noten zu der 75.der Deutfcßen Sagen der Brüder Grimm, wo u. a. noch anzuführen wären: Tharfander(F. G. W. Wegener), Scßau-Pfatz, 1735, 413 (ftatt 613), J. Ritson, Tairy Tafes, London,1831, 74f., H. Heine, Deutfcßfand, I (nach derfelben Fällung, die A. L. Stiefel in den Studienzur vergfeießenden Literaturgefcßicßte, VIII, 303 anzieht) und Th. de Cauzons, La tnagie etfasorcelferie en Trance, Paris, f. d., 1, 114f. Wohl auch nach Tritheim erzählt die ZimmenfSeCßroniß (hg. v. K. A. Barack, 2. Aufl. 1881, III, lOf.) und ebenfo Martin Crufius, Annafessuevici, Frankfurt, 1593, 353.
Zeitlich zwilchen den Franzofen und Tritheim liegen die62. Fabel in dem 1495erfchienenen(erften) Hecatomytßium von Laurentius Abstemius aus Macerata (J. N. Nevelet, Taßufaevariorum auetdrum, Frankfurt, 1660, 560) und ein Epigramm von Konrad Celtes (TünjBiicßer Epigramme, hg. v. K. Hartfelder, 1881, 55f.). Auf Abstemius gehen zurück die87. Fabel in dem 2. Buche des Esopus von Burkhard Waldis (hg. v. H. Kurr, 1862, I, 279f.,
II, Anhang, 108f./ hg. v. J. Tittmann, 1882, I, 273f.) und eine Fabel von Gilb. Cognatusoder Cousin CNarrationum syfva, Basel, 1567, 79 f.)/ bei allen dreien ift an die Stelle desTeufels ein Freund des Gatten getreten. Unabhängig von diefen Verfionen find der Meifter-gefang Der dewffef ßüet des ßaufmans weiß (1550) und das Spruchgedicht Der dewfef ßüetainerpueferin (1558) von Hans Sachs (SämtfiSe Taßefn undScßwänße, hg. v. E. Goetze[und C. Drefcher], 1893f., V, 76f. und I, 580 f.). Das Märlein der Mensa pßifosopßica ift
>> Mit ihm vergleicht K. de Wyl, PüSezafilforfdiurtgeH, 1909, 72 und 76 den In der Gegend von Frei»bergl. Sa. beheimateten Mutz (Mützchen),, s. aber auch E. L. Rochholz, ScBwtizersagen, 1856f., I, 124f.
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