Ein Burfch findet, als er nach längerer Abwefenheit in die Heimat zurückkommt, feineBraut tot und begraben/ erlegt (ich zu ihr ins Grab. Es erfcheint der »Richtengel« Asrain/verwundert kehrt er zu Gott zurück, und diefer befchließt die Wiedererweckung der Toten,wenn ihr der Burfch von feinen noch ausftändigen Lebensjahren die Hälfte abtrete. Lachendwilligt der Burfch ein, und das Mädchen wird lebendig. Sie bauen fich im Walde ein Haus,um dort die zwanzig Jahre, die fie noch zu leben haben, zu verbringen. Sooft der Burfchdas Haus verläßt, fperrt er die lieben Türen ab. Gelegentlich fieht der Häuptling desNachbardorfes die junge Frau am Fenfter/ es folgt die mit der Entführung dufch denunterirdifchen Gang fchließende Intrige <f. die Note zu unferm 2. Märchen, im letzten Ab-fatz/ auch die fieben Türen find eine Reminifzenz). Nach vierzig Tagen einfamen Weilensin feinem Haufe verdingt fich der Burfch bei dem Häuptling als Knecht. Die Mutter desHäuptlings verliebt fidi in ihn/ er weigert fich ihr, da es der Sohn merken könnte. DieMutter will diefen durch einen vergifteten Brei töten, aber der Burfdi fchlägt ihm denLöffel aus der Hand, läßt ihn von dem Brei dem Hunde geben, und diefer verendet aufder Stelle. Nachdem er folchermaßen dem Häuplling dargetan hat, daß er ihm nichts nach-trägt, verlangt er feine Gattin zurüdt,- er erhält fie, und nun fordert er von ihr die zwanzigJahre. Dann verbrennt er lie und des Häuptlings Mutter.
Mit diefer Erzählung ift, beffer noch als in den von G. Polivka in der ZW, XIII, 410f.mitgeteilten flawifchcn Märchen, die Verbindung zu einem Komplex hergcftellt, denF. Liebredit unter dem Titel Die Toten von Lufinau unterfucht hat (Zur Volkskunde,1879, 54f.>, befonders zu jener Gruppe, wo der Befitz der zu neuem Leben Erftandenenbefrritten wird <vg[. auch Bolte, ZW, XX, 353 f., XXI, 282f, und XXXII, 127f.)/ auchdiefer Komplex '> wird bei einer neuen Unterfuchung einbezogen werden muffen, Die Fällungbei Frobenius weift aber auch, durch einen in ihr nebcnfächlich erfcheinenden Zug, auf eineandere, viele Glieder zählende Märchenreihe hin, wo die undankbare Gattin durch die undank-bare Mutter <oder Sdiwefter) erfetzt wird/ ein trefflidies Beifpiel bietet wieder Frobenius<II,71f.):
Ein Mann befiehlt den fieben Söhnen, die er von fieben Frauen hat, fie Tollten jederdie eigene Mutter töten/ alle tun es, nur der jüngfte geht mit feiner Mutter indie Fremde. Er überwindet fieben Unholde und richtet fich in ihrem Haufe ein. Einen vonden fieben, der nur verwundet ift, pflegt und heilt die Mutter und will ihn dann zumGatten nehmen. Sie verrät den Sohn ufw./ Ichließlich tötet er fie.
Eine reichliche Parallclenfammlung zu diefen Märchen findet fich bei |Bolte-Polivka, I,551 f., III, 2n.
Nun zu den einzelnen Motiven unfers Märchens.
Der Mann lebt mit der toten Frau wie mit einer Lebendigen/ er »bietet ihr zu Tifcheund zu Bette Zucht«. G. Paris hat dies, wohl mit Recht, wörtlich genommen und auf feinenAuffatz im Journal des Savants, Nov. und Dec. 1896, 637f., 718f. verwiefen, wo er dieSage von dem Ring der Faftrada unterfucht hat/ weitere Literatur bei Bolte-Polfvka, I, 463.Überfehen ift, auch von Kr, Nyrop, Tones trydering < Tortids sagn og sänge, I), Kopen-hagen, 1907, die auf Josephus Flavius zurückgehende Sage von Herodes und Mariamne, überdie man Literatur bei M. J. bin Gorion <Micha Jofef Berdyczewski), Der Born Judas <1916f,>,I, 352 und 396 findet. Vgl. auch die kurdilchc Sage in der ZW, XVI, 408.
Zu dem Verfchenken der Lebensjahre macht G Paris auf das Märchen in SomadevasKatfiäsaritsägara, transl. by C. H. Tawney, Calcutta, 1880 f., I, 97 f. aufmerkfam, und zudiefem hat Th. Benfey, PantsSatantra, 1859, I, 436 nach dem Visnu-Purana die Sage von
>> Gehört hierher nicht auch die Gelchlrhte von Drufiana und Kallimachos der Johannes-Akten, In derdie Schlange — wie es eben die Legende braucht - die entgegengefetzte Rolle fpiclt? f. R. A. Llpllus, Dieapokryphen ApoßelgefifiiSten, 1883 f., I, 457 f., E. Hennecke, Neuteftamcnttiche Apokryphen, 2. Aufl. 1924,181 f., M.Rh. James, The Apocrypfiicaf New Teß.imenl, London, 1924, 242 f.
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