Frau von einem Hauptmann entführen. Als der Heimgekehrte fie nicht vorfindet, gehter nach Neapel und wird Soldat. Bei einem Hoffefte, das fich auch die Soldaten anfenen,erkennt ihn feine Frau, fo wie er fie, und ihr Geliebter, unter dem er dient, läßt ihm, umihn zu verderben, durch den Koch ein filbernes Beffeck in die Talche ftecken. Der Unfchuldigewird zum Tode durch Erfrhießen verurteilt,- ein befreundeter Soldat, dem er fich anvertrauthat, erweckt ihn mit dem Schlangenkraut.
Diefes benützt er auch, um In einem andern Lande die Tochter des Königs zum Lebenzu erwecken/ ihre ihm angebotene Hand lehnt er ab, erbittet fich aber die Ernennung zumGeneraliffimus. Bei dem Feite, das nun angeffellt wird, fieht er jenen Hauptmann. Erwendet diefelbe Tücke an wie diefer, indem er ihm einen filbernen Löffel in die Tafcheftecken läßt ufw. Der Hauptmann und die Treulofe werden in Pechhemden gefteckt undverbrannt.
Diefer Verfion, die aus Casteltermini flammt, fügt Pitre noch eine aus Ciancina an:
Die Frau, die der Gatte in ihrem Grabe beweint, wird in der dritten Nacht, ohne feinHinzutun, durch ein von einer Schlange gebrachtes Blumenbüfchel belebt. Das Paar ent-fernt fich, und auf dem Wege fchläft der Mann in dem Schöße der Gattin ein/ diefe ent-flieht mit einem Hauptmann, der von ungefähr dort vorbeigekommen ift. Der Hauptmanntötet ihn fpäter, aber fein Gevatter erweckt ihn mit dem Blumenbüfchel. Mit diefem belebter dann die Frau des Gencralftatthalters in Palermo und die Tochter des Königs in Neapel ,-dafür wird er Vizekönig. Er kehrt zurück und läßt das ehebrecherifche Paar auf einemScheiterhaufen verbrennen.
Die beiden Fällungen, die aus Casteltermini, mit der das 3. der Rumänifcßen Votts-
märSen von Pauline Schullerus, Hermannftadr, 1907, 10 f. zu vergleidien wäre, und die aus
Ciancina ftimmen im allgemeinen zu den andern europäifchen Verfionen/ bemerkenswert
aber ift in der zweiten, daß die Untreue der Frau beginnt, während er in ihrem Schöße liegt.
Diefer Zug, der mit dem Motive der Reife zufammenhängt, begegnet häufig in der dritten
und der vierten Gruppe. Daß aber auch Motive aus der eiTten Gruppe, die fonft nur in Indien
belegt ift, nach Europa oder zumindeft nach Sizilien gedrungen find, beweift ein andres
Märchen, das fich ebenfalls bei Pitre (II, 137) findet,- auch diefes ift bisher unbeachtet geblieben.
Sein Inhalt ift fo:
Ein König von Bayern befiehlt feinen fieben Söhnen, bei Strafe der Verbannung,ihre Frauen zu töten/ der jüngfte, Beppino, tut das nicht, fondern entflieht mitfeiner heißgeliebten Frau. Er überwindet vierundzwanzig Räuber und beziehtderen Sdiloß. Ein Räuber aber ift am Leben geblieben/ ihn pflegt die Frau, heilt ihn undwill ihn dann zum Gatten nehmen. Sie ftellt fich krank und verlangt dasWafier von Roccarimera <?). Beppino geht, um es zu holen. Eine verzauberte Prinzeffinlagt ihm, daß ihn, wenn er das Wafier feiner Gattin reiche, der Räuber töten werde/ erfolle fich erbitten, daß man feinen Leichnam feinem Pferde an den Sdiwanz binde, diefeswerde ihn zu ihr fchleifen, und fie werde ihn zum Leben erwecken.
Alles geht fo vor fich. Nach einem Kriege mit dem Vater der Prinzelfin wird BeppinoKaifer. Er trifft feine frühere Frau mit i hrem Buhlen/ diefen tötet er, währender fie blendet. Dann kehrt er mit der Prinzeffin nach Bayern zurück.
Diefe Erzählung ftammt, wie die erfte der zwei eben mitgeteilten, aus Casteltermini!Dort kreuzen fich alfo die nach G. Paris in ftetiger Veränderung aus Indien über Arabiennach Europa gelangten Überlieferungen mit einer Überlieferung, deren Weg keine Spurenbegleiten ') und die die alterten Züge bewahrt hat. Schon diefe Feftftellung würde eine neueUnterfudiung des Märchens erheifdien/ für diefe fprechen aber nodi andere Umftände.
Sehr merkwürdig ift nämlidi ein kabylilches Märchen, das fich, obwohl hierher gehörig,doch in keine der bisher erörterten Gruppen einreihen läßt <Frobenius, II, 133f.>/ nach Hin-weglaffung alles Nebenfächlichen erhält man folgendes Schema:
'> Eine Parallele hat diefes Märchen in einer kabylifdien üelHiichtc, die R. Basset (Contes populairesßfrUires, Paris 1887, 216> nadi Hanoteau, Essai cfs grammaire biißyfe mitteilt/ ftatt des Auftrags des Vatersan feine fieben Söhne, ihre Frauen zu töten, handelt es lieh hier um die Aufforderung der Mutter an ihrenSohn, feine Frau zu verltoßen.
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