Hier handelt es lieh allerdings nur um drei Brüder, deren jüngfter fich feine Frauzu töten weigert. Diefe verliebt lieh nach jahrelangem Leben im Gebirge in einendort häufenden Lahmen und bricht mit ihm die Ehe. Unter dem Vorwande, ihrem Gattenbei feiner Arbeit helfen zu wollen, begleitet fie ihn/ dann ftößt fie ihn von einem Bergehinab. Durch einen Gott gerettet, gelangt er zu Kaufleuten, und fchließlich wird er, da ergerade^ zu der Zeit einer Königswahf in einem Reiche eintrifft, König. Schließlich kommtfeine Frau, den Lahmen wie ein Kind tragend und clarob allgemein bewundert, in feineStadt. Es folgt Überführung und Landesverweifung.
In der Faffung im tibetanifchen Kam/scßi/r (S<hiefner-Ra\ston, Tißetan Tales, London,
1906, 291 f., Nr. 21),
wo der wackere Prinz der jüngfte von vier Brüdern ift und es fich wieder umeinen von dem Fluffe getriebenen Verftümmelten handelt, bittet die Ehebredierin, die lidikrank Hellt, ihren Gatten, ihr eine auf dem Grunde einer Schlucht wachfende Wolfs-milchpflanze, die ihr Heilung bringen werde, heraufzuholen,- dann läßt fie das Seil los, andas er fich gebunden hat, fo daß er ins Waffcr ftürzt. Königswahl, Ankunft der Frau,Überführung, Landesverweifung.
Einige Berührungspunkte mit diefer Verfion hat eine Erzählung des 472 n. Chr. insChinefifche übertragenen Tsa pao tsang fiing, die Chavannes leider nur im Auszuge mit-teilt CHI, 21 f.):
Zwei Brüder,- der ältere tötet feine Frau nicht. Verftümmelter aus Mitleid auf-genommen. Gatte foll von einem über eine Schlucht hängenden Baume Blüten pflücken,-he zieht an dem Seil, das er fich um den Leib gefchlungen hat, fo daß er das Gleichgewichtverliert und in den Bergffrom ftürzt. Gatte wird König, Ankunft der Frau, Verzeihung.
G. Paris geht nach der Befprechung diefer Märchengruppe, deren indifch-chinefifcheVarianten er freilich nicht kennen konnte, zu einem einzelnen Märchen über, wo die Auf-opferung des Mannes dadurch gefchieht, daß er der vor Dürft verl'chmachtenden Frau (anftattfeines Blutes) die Hälfte feines nodi guthabenden Lebens gibt. Als dritte Gruppe fammeltParis die Erzählungen, die die Abgabe der Lebensjahre auf einer Reife gefchehen laßen, aufder der Gatte den Leichnam der Frau mitführt — hierher gehört neben einem <angeblich!)im 7. oder 8. Jahrhundert aufgezeichneten arabifdien Märchen (Chauvin, VIII, 119) u. a. auchunfere Verfion —, als vierte (und fünfte) Gruppe (teilen fich die Erzählungen dar, wo fichder überlebende Eheteil verpflichtet, das Grab des Verltorbenen nicht mehr zu verlaffen, undwo es ftets Jefus ift, der nach dem Gefchenk der Lebensjahre die Gattin wiedererweckt —hier find noch zu nennen ein Märchen bei T. J. Bezemer, VoffisJiditung aus Indoneßen,Haag, 1904, 83, abgedruckt bei P. Hambruch, Mafaiifdoe Marc/Jen, 1922, 24, ferner eines beiCh. Swynnerton, Romantic TafesJtom tfie Panjäß witß Imfian Ni'gtßs' Entertainment,London, 1908, 336f., das Jefus durch einen Fakir erfetzt, aber auch das 106. Stück desKatßäratnaliara (II, 10f.), wo als Totenerwedter ein Vidyadhara auftritt, fo daß die Behaup-tung, diefe Gruppe fei der mohammedanilchen Welt eigentümlich, unrichtig ift —, und dieletzte Gruppe bildet das Grimmfdie Märdien Nr. 16, das die Belebung der Frau, deren Gattemit ihr in das Grabgewölbe eingelchloffen ift, durch drei »Schlangenblätter« erfolgen läßt,famt feinen in vielem abweichenden, durchwegs europäifchen Varianten. Hier ift bisher einfizilianilches Märdien überfehen worden, das bei G. Pitre, Tiaße, nove//e eraeconti'sicitiani,Palermo, 1875, IV, 5 f. fteht:
Der überlebende Gatte, der Sohn eines Königs von Sizilien, läßt (ich, feinem Vcrfprediengemäß, auf drei Tage zu feiner toten Gattin in die Gruft einfchließen. Eine Schlange über-fällt den Leidmam, er erichießt fie, ihre Jungen kommen mit einem Kraute und belebenfie/ er nimmt das Kraut, tut desgleichen mit feiner Frau, und die fagt: »Ach, wie langhabe ich geldilafen!« Nach einiger Zeit begibt fich das Paar nach Paris, und von dort reiftder junge Mann ab, um Kauffahrtei zu treiben/ während feiner Abwefenheit läßt lieh die
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