und dann Ichwangen fie fich mit ihrer Schwerter, die fich nun auch in einenSchwan verwandelt hatte, hoch hinauf in die Lüfte, um nach einem See oderFluß auszublicken, wo fie bleiben könnten. Nach langem Fluge durch dieWeitefahen fie endlich einen wunderfam großen See, an dem ein Schloß lag. Entzücktvon feiner Schönheit, gingen fie nieder, und fie waren froh, einen ihnen taug»liehen Ort gefunden zu haben. Das Schloß aber war das ihres Vaters, und eskrönte den überhangenden Felsgipfel eines jäh abfallenden Berges, den fchierringsum der See umfehloß. Und der aus dem Berge aufschießende Fels war fohoch, daß er eher an den Wolken als am Boden zu haften fchien / von der Berg-feite nur auf einem fchmalen Pfade erklimmbar, ftreckte er feine ganze Wuchtfo weit in den See hinaus, daß man je und je geglaubt hätte, er muffe mit derganzen Laft der Gebäude in den Abgrund ftürzen. Dort oben alfo lag dasSchloß, und feine Fenfter blickten auf den See. Und an einem diefer Fenfterlehnte gerade, über irgendetwas finnend, der Schloßherr, als er die Vögel fah,deren Art ihm an diefem Ort gänzlich unbekannt war. Entzückt von ihrerSchönheit und von der Lieblichkeit ihrer Stimmen, befahl er all feinem Gefinde,niemand folle fich unterstehen, fie zu fchrecken, fondern tagtäglich feien ihnenSpeiferefte und Tifchüberbleibfel auszuwerfen, damit fie fleh eingewöhnten undlieber in dem See verweilten. Und nur ein paar Tage lang hatten das die Dienergetan, als die Schwäne fchon fo zahm geworden waren, daß fie zu der Stundedes MittagefTens und des Nachtmahls ftets ans Ufer kamen und auf das gewohnteFutter mit großer Begier warteten, und es war ein angenehmes, ergötzlichesSchaufpiel, wenn fie den Brotkrumen oder den Fifchreften in den Wellen desSees nachfetzten. DasMädchen aber, der Schwäne Seh weiter, die wieder menfch=liehe Geftalt angenommen hatte, flieg tagtäglich ins Schloß hinauf und er-bettelte ihre Lebensnotdurft wie eineWaife. Und was fie an Abfällen von desVaters Tifch erhielt, davon behielt fie ftets einen Teil für die arme Nixe, die,wie gefagt, mitten in der Burg bis an die Bruft eingegraben war, und bot ihres unter Tränen, von einer kindlichen Neigung bewegt, ohne zu wiffen, daß esihre Mutter war, und den Reft trug fie den Brüdern hinab an das Seegeftade.Und die Brüder kamen geflogen und begrüßten fie mit dem Schlage ihrerFlügel und dem Wohllaut ihrer Stimmen und nahmen ihr die Speife aus demSchöße/ und nachdem fie jeden geküßt und umarmt hatte, ging fie auf dasSchloß zurück, um die Nacht bei der Mutter, die fie, wie gefagt, nicht kannte,zu verbringen. Alle fahen fie täglich zum See hinabgehen und mit den Schwänenteilen, was fie erbettelt hatte/ alle fahen fie über der eingegrabenen Nixeweinen, und verwundert fagten fie untereinander, fie habe fchier eben dasAntlitz, das diefe in den guten Tagen gehabt habe. Aber auch der Schloßherr
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