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Märchen des Mittelalters
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fchwarz ward auch das Antlitz, die Augen gruben fidi tief in die Höhlen, dieStirn verrunzelte, das Fleifch verzehrte fich, und die Haut fchlotterte nur nochum das Gerippe.

Die Kindlein aber wurden in diefen fieben Jahren von dem weifen Greifemit der Hirfchenmilch trefflich auferzogen, und fchon aßen fie von dem Fleifchedes Wildes und der Vögel, die fie felber erlegten. Da gefchah es durch dieFügung des alles feilenden Gottes, daß ihr Vater, als er im Walde jagte, vonungefähr auf die Kleinen traf, die goldene Kettlein um die Hälfe hatten. Sofortvon einer eigenen Zuneigung erfaßt, begann er die Fliehenden zu verfolgen,aber plötzlich entfchwanden fie feinen Augen, fodaß er, um feine Sehnfuchtbetrogen, heimkehren mußte,- und auf dem Schlöffe angelangt, erzählte er derMutter und allen andern, was er gefehen hatte. Die Mutter, der mit ihremböfen GcwifTen bei diefer Erzählung das Herz klopfte, rief jenen Knecht undfragte ihn, ob er die Kinder getötet oder verfchont habe. Er geftand, er habefie zwar noch bei Leben, aber fchon fterbend unter einem Baum verlaffen. Nunfagte fie: »Wahrhaftig, heute hat fie mein Sohn gefunden, und läufft du nicht,fuchft fie und nimmft ihnen fo oder fo die Kettlein, fo find wir beide verloren.«

Sowohl um feinetwillen als auch der Herrin wegen beforgt, eilte derKnecht in den Wald, um die Kinder zu fuchen. Nachdem er fie am erften Tageund am zweiten und am dritten vergebens in dem Dickicht geflieht hatte, fander die Knaben am vierten Tage in einem Fluß, wo sie, in Schwäne verwandelt,fpielten, während ihre Schwefter am Ufer die Kettlein hütete. Und da dasMägdlein aufmerkfam zufah, wie fich ihre Brüderlein luftig im Waffer tummelten,fchlich fich der Knecht vorfichtig heran, und es gelang ihm, fich unverfehens derKettlein der Knaben zu bemächtigen , das ihrige freilich mußte er ihr laffen. Frohkehrte er zu feiner Herrin zurück und brachte ihr die Kettlein, und fie ließ einenGoldfchmied kommen und befahl ihm, ihr daraus einen Becher zu machen, und ernahm die Kettlein. Zuerft fetzte er fie dem Feuer aus, aber fie Ichmolzen nicht,dann fchlug er mit dem Hammer auf fie ein, aber die Mühe blieb eitel: fiewichen dem Eifen ebenfo wenig wie dem Feuer, und nur an Einem Kettleinwurde ein Ring ein weniges befchädigt. Außerftande alfo, etwas auszurichten,wägte er die Ketten und verwahrte fie/ dann nahm er von feinem eigenenGolde, foviel ihr Gewicht betrug, machte daraus einen Becher und brachte ihnder Alten. Die legte ihn fofort in einen Schrein/ nie trank fie daraus, nie auchzeigte fie ihn ihrem Sohne oder fonft jemand.

Die Knaben aber vermochten nach dem Verlulte ihrer Ketten nicht wiederihre menfchlicheGeftalt anzunehmen. Mit der Süßigkeit ihrerStimmen beklagtenfie viel und lang das Gefchick, das die höchfte Macht über fie verhängt hatte,

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