wurde, fooft er fie fah, durdi eine eigenartige Liebe gezwungen, den Blick aufihr ruhen zu laflen, und fo rief er fie endlich ,• und indem er fie genau betrachtete,entdeckte er an ihr mancherlei Zeichen feines Gefchledites und fchließlich auchdas goldene Kettlein um ihren Hals. Und in der Erinnerung an feine Nixefagte er: »Sag mir, Mägdlein, wer bift du und woher, und wer find deine Eltern,und wie machlt du es, daß die Schwäne aus dem See zu dir kommen?« Undfeufzend und das Antlitz mit Tränen netzend, antwortete fie: »Ob ich, Herr,Vater und Mutter gehabt habe, das, würde ich fagen, wiffe ich nicht, wenn esnicht unmöglich wäre, daß ein Menfch ohne fie zur Welt käme oder auf derWelt wäre/ aber gefehen habe ich fie nie, habe auch nie vernommen, daß fieein anderer gefehen oder gar gekannt hätte. Die Schwäne aber find meine leib»liehen Brüder.« Und nun erzählte fie, wie fie von dem weifen Greife gefundenund fieben Jahre mit Hirlchenmilch genährt worden feien, wie die Brüder beidem Bade im Flufle die Kettlein verloren hätten, weshalb fie denn die menfeh»liehe Geftalt nicht wieder annehmen könnten, und wie fie fich in diefem Seeniedergelaflen hätten.
Bei diefem Gefpräch war nicht nur die Alte anwefend, diefer Ausbundaller Niedertracht und Abfchaum der Weiber, fondern auch der Knecht, derVollftrecker jenes Verbrechens, und bei den Worten des Mägdleins fahen fieeinander an, konnten fich auch, in dem Bewußtfein ihrer Schuld, nicht fo ganz»lieh verteilen, daß nicht die Röte ihrer Gefichter die heimlich verübte Miffetatverraten hätte. Und weil alles Gute und alles Schlechte von einer Urfache aus»gehen muß, fo ließ es Gott, der Schöpfer und Urheber aller Dinge, deffen Augealles durchdringt, deffen Weisheit nichts entgeht, der es weder duldet, daß dieUnfchuldigen zugrunde gehen, noch daß fich dieSdilechten allzu lang ihrer Bos»heit rühmen — fo ließ es alfo Gott zu, daß fich der graufame Sinn der Altenfo wie der des Knechts zu dem Verfudie anftachelte, das Mägdlein aus demWege zu räumen. Und als fie nach ihrer Weife zum See hinabftieg, folgte ihrder Knecht,- und während er der Fliehenden mit blankem Schwerte nachfetzte,kam von der andern Seite der Schloßherr dazu, der von ungefähr auf demRückwege vom Felde war, und der fchlug ihm das gezückte Schwert aus derHand. In der Angft vor dem Tode entdedue der Knecht das heimliche Verbrechenund erzählte, wie ihm alles der Reihe nach von der Herrin befohlen wordenwar. Der Schloßherr befragte fofort feine verbrecherifche Mutter und erpreßteihr durch die Folter die Wahrheit. Aus dem Schreine wurde der goldene Bechergeholt, der aus den Kettlein hergeftellt fein follte, und der Goldfchmied wurdegerufen und wurde befragt, ob er zu dem Becher die Kettlein verwendet habe,und er geftand, was er getan hatte, und gab die Kettlein zurück. Freudig nahm
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