Und der Leib fchwoll der jungen Frau Tag für Tag mehr an, und es kamihre Stunde,- und da gebar fie in den Schoß ihrer Schwieger — ich. weiß nicht,foll ich fagen: glücklich oder unglücklich — fechsSöhne und eineTochter, wie fieeinftvorhergefehen, und jegliches Kind hatte um den Hals ein goldenesKettlein.Nun war aber auch für die Schwieger Zeit und Gelegenheit gekommen, dasfchon feit langem erfonnene Verbrechen ins Werk zu fetzen: fie nahm der Mutterdie fieben Kinder und legte an ihrer Statt neben das Lager der Schlafendenfieben Hunde, die vor neun Tagen zur Welt gekommen waren. Und die Kind-lein übergab fie einem ihr getreuen Knechte, und fie befdiwor ihn bei feinerTreue, alle fieben zu erdrofTeln und zu begraben oder fie zu ertränken. Undder Knecht verfprach das treulich auszuführen und trug die Kinder in den Wald.Unter einem Baume fetzte er fie ab und fchickte fich an, fie mit den Händenzu erwürgen,- aber Barmherzigkeit oder Abfcheu vor dem Verbrechen ließ ihndavon abftehen, und er ließ fie am Leben und ging davon, indem er fich fagte,er habe die Hände rein behalten und den Befehl treulich genug ausgeführt.Gott aber, der Urheber und Schöpfer des Alls, der alles fieht und alles erhältund lenkt, fonderlich aber das Menfchengefchlecht, der in den Kindern, wieunfcheinbare Wefen fie auch waren, doch feine Gefchöpfe erblickte, fandte ihnenzu derfelbigen Stunde, wo der Knecht gegangen war, einen Ernährer, einenGreis nämlich, der, der Weltweisheit befliffen, den Wald der Stadt vorgezogenhatte und in einer Höhle wohnte. Der fand fie, hob fie auf und fchaffte fie infeine Höhle; und fortan nährte er fie mit der Milch einer Hinde, und das fiebenJahre lang.
Während noch der Sklave mit den Kindern auf dem Wege in den Waldwar, rief das verruchte alte Weib ihren Sohn: »Komm, Sohn, fchau, was fürfchöne, adelige Kindlein dir deine Gattin gefchenkt hat!« Und fie wies ihm dieHunde und überhäufte ihn mit Vorwürfen, daß er der Mutter, die ihn voneiner folchen Gattin habe löfen wollen, nie fein Ohr geliehen habe. Allzufehrder Mutter vertrauend, hatte er nur noch Abfcheu vor der Gattin, für die ervordem in fo heißer Liebe entbrannt war/ gänzlich zu Haß verkehrt, ließ er dieHunde ertränken, die Gattin aber, ohne ihr die Möglichkeit zu laffen, fich zuverantworten oder die Miffetat zu leugnen, mitten in feiner Burg bis zu denBrüfteneingraben/undallfeinenRittern,Dienern,PoffenreißernundSchmarotzernbefahl er, fich die Hände vor dem Mittageffen und vor dem Nachtmahl nur überihrem Haupte zu wafchen und fie an ihrem Haar zu trocknen, und keine andreSpeife follte ihr gereicht werden, als wie fie für die Hunde bereitet wurde. Unddiefe Unbill litt fie fieben lange Jahre, und die weißen Glieder entblößten fich,dadieK!eidervermoderten,unddiefefchneeige Weiße verkehrte fich in Schwärze,
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