mann lebte/ und er begegnete ihm auf der Straße, und er begrüßte ihn demütiggenug. Der Kaufmann aber antwortete: »So fage ich nicht zu dir.« Und derRitter: »Liebfter, da die Friß: unfers Vertrags überfchritten ift, will ich dir deinGeld verdoppeln.« Aber der Kaufmann: »Das haben wir nicht fo vorbefprochen ,•ich will es fo haben, wie du dich verpflichtet halt.« Sagte der Ritter: »Verlangefür mein Vergehen fo viel Geld von mir, wie du willft, und ich werde es direrftatten.« Antwortete der Kaufmann: »Du fprichft umfonft: gabelt du miralles Gut der Stadt, ich nähme es nicht, fondern nur das, was zwifchen unsvereinbart, verbrieft und befiegelt worden ift.« Und unverzüglich ließ er denRitter greifen und ihn in den Turm in fichern Gewahrfam bringen, bis der Richterin die Stadt kommen und zu Gerichte fitzen werde.
Und als dann der Richter da war, kamen die Kaufleute und auch der Rittervor ihn/ und auch jener Kaufmann war da und wies gegen den Ritter die mitfeinem Blute gefchriebene und mit feinem Siegel befiegelte Schrift vor. Undnachdem der Richter gefehen hatte, daß es des Ritters eigenes Tun war, fagteer: »Für jedermann im Reiche gilt das Gefetz, daß er, wenn er fich in freiemWillen zu etwas verpflichtet hat, leiden muß, wozu er fich verpflichtet hat,-darum foll dem Kaufmanne nach dem Übereinkommen des Ritters mit ihmwillfahrt werden, auf daß das Gefetz in allem erfüllt werde.«
Unterdelfen hatte die Geliebte des Ritters Kundfehafter gehalten, um zuerfahren, was für einen Fortgang das Recht gegen ihren Buhlen nehme. Alsfie nun gehört hatte, daß es ihm ans Leben ging, fo hatte fie fich die Haareabgefchnitten und koftbare Mannskleider angezogen und einen Zelter beftiegenund war zu dem Palafte geritten, wo ihr Geliebter feines Urteils harrte. Undfie trat ein und grüßte den Richter mit geziemender Ehrerbietung. Allefamthielten fie für einen Ritter, und der Richter fragte fie, woher fie fei und wasfür ein Gefchäft fie bei ihnen habe. Und fie fagte: »Ich bin ein Ritter aus fernenLanden und bin von ungefähr durch diefeStadt geritten,- da ift mir das Gefdireizu Ohren gekommen, daß ein Ritter hier unter euch um einer Verpflichtungwillen, die er gegen einen Kaufmann auf fich genommen hat, zum Tode ver=urteilt werden foll, und fo bin ich gekommen, um diefen Ritter von dem Todezu retten.« Und der Richter fagte: »Es ift ein kaiferliches Gefetz, daß derMenfchleiden muß, wozu er fich mit freiem Willen verpflichtet hat/ wenn jedoch derKaufmann, mit dem er den Vertrag gemacht hat, deiner Ankunft halber Mitleidmit ihm hätte, fo wäre mir das über die Maßen lieb.«
Dies gehört, wandte fich das Fräulein zu dem Kaufmann und fagte:»Liebfter, was haft du davon, wenn diefer Ritter, der bereit ift, fein Urteil zuempfangen, getötet wird? Es ift doch befler, du nimmft das Geld, als daß du
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