wortete: »Einen törichten Vertrag halt du mit dem Kaufmann gefchloffen, weilein Gefetz des Kaifers befteht, daß der Menfdi leiden muß, wozu er fich infreiem Willen verpflichtet hat,- fieh alfo wohl zu, daß du den beftimmten Tageinhältft. Was weiter das Fräulein betrifft, fo will idi dir die Wahrheit kund-tun : zwilchen den Laken ihres Bettes liegt ein Zettel, der die Kraft hat, daßjeder, der fich in das Bett legt, alsbald einfchlafen muß und nicht früher erwachenkann, als bis der Zettel entfernt worden ift. Wenn du alfo zu dem Bette kommft,fo greife, bevor du dich niederlegft, zwifchen das Laken und die Decke, unddu wirft den Zettel finden/ dann fchleudere ihn weit weg und fteige kühnlichin das Bett, und du wirft nicht einfchlafen, es fei denn, du wollteft es: tue dannmit dem Fräulein nach deinem Willen, und dir wird Ehre und Ruhm werden.«Dies gehört, frohlockte der Ritter und dankte dem Meifter für den guten Rat.Und unverzüglich eilte er zu dem Fräulein und händigte ihr das Geld ein.
Als es dann Nacht war, trat der Ritter in das Gemach des Fräuleins.Heimlich brachte er die Hand zwifchen Laken und Decke, und er fand denZettel und warf ihn weit von fleh/ dann ftieg er ins Bett und ftellte fich fchlafend.Das Fräulein, in dem Glauben, er fchlafe fo wie die andern Male, zog ihreKleider aus und ftieg auch ins Bett. Und fchon legte er Hand an fie. Da fagtefie vollerBeftürzung: »ErbarmetEuch meiner und raubet mir nicht die Blumemeines Magdtums/ ich will dir doppelt fo viel Geld geben, wie du mir gegebenhaft.« Der Ritter jedoch fagte: »Du fprichft eitel/ endlich werde ich erfüllen,um deffentwillen ich fo viel gelitten habe.« Und er erkannte fie fleifchlich. Dannaber liebte er fie in fo wunderbarer Weife, daß er länger als zwei Wochen überden zwifchen ihm und dem Kaufmanne feftgefetzten Tag bei ihr verweilte/ feineLiebe war fo groß, daß er von Tag zu Tag der Frift vergaß.
Eines Nachts aber, als er zu Bette lag, kam ihm der Vertrag, den er mitdem Kaufmanne gefchlofTen hatte, ins Gedächtnis, und das Herz begann ihmzu pochen, und er fagte zu der Geliebten: »Wehe, daß - ich dich jemals erblickthabe! Sieh, nun bin ich ein Kind des Todes! Aus Liebe zu dir habe ich voneinem Kaufmanne Geld geliehen unter der Bedingung, daß er, fo ich den zwifchenuns vereinbarten Tag verfäume, durch meine Schrift das Recht haben foll, mir,ohne daß ich widerfprechen dürfte, all mein Fleifch vom Leibe zu fchinden/ undjetzt find über den Tag hinaus zwei Wochen verftrichen, und ich habe mich niedaran erinnert, weil ich dich alfo liebte.« Sagte das Fräulein: »Bekümmert Euchnicht allzufehr/ gehet zu dem Kaufmanne und verdoppelt ihm den Betrag, undift er damit nicht zufrieden, fo foll er verlangen, was er will, ich werde es ihmgeben.«
Durdi diefe Worte getröftet, zog der Ritter in die Stadt, wo der Kauf-
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