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Märchen des Mittelalters
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bei fich: »Weh mir, wehe! All mein Gut habe ich dahin gegeben, und erreichthabe ich nichts! Aber, und wenn es das Leben koften follte, ich will die Ge»fchichte zu einem andern Ende bringen!« Und er fagte zu dem Fräulein: »Wasmuß ich dir für die dritte Nacht geben?« »Ebenfo viel wie die andern Male,und nicht um einen Heller weniger.« Und er fagte: »Dein Wille gefchehe.«

Und er machte fich auf in ferne Lande, und er kam in eine große Stadt,wo viele Kaufleute lebten und mancherlei Weltweife und unter diefen auchder Meifter Virgilius. Und der Ritter fprach mit einem reichen Kaufmannefolgendermaßen: »Liebfter, ich braucheGeld. Wenn du mir bis zu demunddemTage hundert Mark leihen willft, fo verpfände ich dir alle meine Ländereien,fodaß fie dirallefamt zufallen, wenn ich den vereinbarten Tag verfäurne.« Sagteder Kaufmann: »Um deine Ländereien fchere ich mich nicht viel/ gehft duaber auf den Vorfchlag ein, den ich dir machen will, fo magft du von mir nachdeinem Belieben fordern.« Antwortete der Ritter: »Was immer du verlangenwirft, ich bin auf alles einzugehen bereit, wenn du mir nur in meiner BitteGenüge tuft.« Nun fagte der Kaufmann: »Nimmft du die Bedingung an, dieich dir fagen will, fo werde ich deine Bitte erfüllen. Der Vertrag foll fo fein:du fchreibft mir mit deinem Blute eine Schrift, daß es mir, wenn du die Friftnicht einhältft, bedingungslos freifteht, alles Fleifch deines Körpers mit einemfcharfen Meffer abzulöfen/ bift du damit einverftanden, fo bin ich bereit, deinemBegehren zu willfahren.« So mächtig liebte der Ritter das Fräulein, daß er inalles willigte und die Schrift mit feinem Blute machte und fie befiegelte/ undnachdem fie befiegelt war, gab ihm der Kaufmann den verlangten Betrag.

Als nun der Ritter das Geld hatte, überlegte er: »Wenn ich nicht mit diefemGelde meinen Willen erfülle, fo bin ich ein Kind des Todes« / und er dachtebei fich: »Das foll nimmer gefchehen,« Und da er von dem Rufe des weifenVirgilius gehört hatte, fo ging er hin und fagte zu ihm: »Edler Meifter, ichhabe Euch einen geheimen Anfchlag anzuvertrauen, und ich bitte Euch, daßIhr mir darin mit Rat und Tat beiftehet.« Und Virgilius antwortete: »Sag, wasdir beliebt, und ich werde nach meinem Witz tun, was du wünfcheft.« Und derRitter fagte: »Ich liebe die Tochter des Kaifers mehr, als fich glauben ließe,-ich habe mich mit ihr um einen großen Betrag geeinigt, bin jedoch in zwei Nächtenbetrogen worden. Für die dritte Nacht habe ich mir nun von einem KaufmannGeld unter der Bedingung geliehen, daß er, wenn ich den zwifchen uns ver-einbarten Tag nicht einhalte, das Recht hat, mir all mein Fleifch mit einem Meffervon den Knochen zu fchneiden. Das könnte aber nicht gefchehen, ohne daß ermich dabei tötete/ darum bin ich zu Euch gekommen, auf daß Ihr mir fowohlhierin als auch in meiner Liebe zu dem Fräulein helfet.« Und Virgilius ant»

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